Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation Direkt zur Sucheingabe

Logotherapie-Kongress 

Die Frage nach dem Sinn des Lebens

Logotherapie-Kongress an der VHS

Festredner Dr. Heye Heyen
VHS-Direktor Dr. Johannes Hartkemeyer
VHS-Fachbereichsleiter Jürgen Bendszus
 

Wo liegt der Sinn des Lebens in einer „vom Geist der Postmoderne“ durchwehten Zeit? Dieser Frage ging der Existenzanalytiker Dr. Heye Heyen in seinem Eröffnungsvortrag zum dreitägigen Jubiläumskongress der Deutschen Gesellschaft für Logotherapie (DGL) nach, der gemeinsam mit der Volkshochschule in Osnabrück durchgeführt wurde.
Als Gastgeber unterstrichen VHS-Direktor Dr. Johannes Hartkemeyer und Fachbereichsleiter Jürgen Bendszus die „große Ehre, dass eine so renommierte Gesellschaft wie die DGL ihren 25. Geburtstag gemeinsam mit uns feiert“. Sie verwiesen auf die seit vielen Jahren in Form von Vorträgen, Seminaren und Fortbildungen stark an der VHS verankerte Logotherapie, welche die Sinnorientiertheit des Menschen ins Zentrum psychotherapeutischer, beraterischer und pädagogischer Arbeit stellt. Eindringlich plädierte Johannes Hartkemeyer in einer sich immer weiter beschleunigenden Zeit für eine „bewusste Verlangsamung des Denkens“ und für die „bewusste Beobachtung des eigenen Denkens und seiner unbewussten Folien.“
Eine mehr oder minder unsichtbare Folie allen heutigen Denkens und Seins nahm dann auch Heye Heyen in seinem Eröffnungsvortrag mit der Postmoderne in den Blick. Er umriss eine „condition postmoderne“, in der es „keine verbindlichen Werte und keine absoluten Wahrheiten mehr gibt.“ An die Stelle der „großen Erzählungen“ wie Christentum oder Marxismus sei ein „weltanschaulicher Flickenteppich“ getreten, der eine ungeheure Vielfalt von Optionen biete und damit auch eine „hohe Verantwortung und Entscheidungskompetenz“ verlange.

Kein Werteverfall

Den allseits beklagten „Werteverfall“ wollte Heyen mit Blick auf die wechselvolle Geschichte der Menschheit dabei nicht pauschal unterschreiben: „Es gibt einen Wertewandel mit punktuellen Verschiebungen, aber kein generelles Absinken des Werte-Index.“
In einer Welt des anscheinenden „everything goes“ wies Heyen der Logotherapie die Aufgabe zu, den „Menschen als sinnorientiertes und wertebezogenes Wesen“ anzusehen und „Bedingungen für die Möglichkeiten eines gelingenden Lebens“ aufzuzeigen.
Das Verhältnis von Logotherapie zur Postmoderne beschrieb Heyen als ein ambivalentes. Starke Affinitäten bestünden so in der Ablehnung aller Absolutheitsansprüche und damit auch in Wertschätzung der Vielfalt, der Entscheidungsfreiheit und der Gemeinsamkeit des „ich und du“. Nicht akzeptabel sei jedoch der „Werterelativismus der Postmoderne“: „Wo keine Wertunterschiede mehr wahrgenommen werden, verschwindet auch der Sinn aus dem Blickfeld.“
Mit dem sokratischen Dialog und imaginativen Verfahren hob Heyen zwei Werkzeuge der Logotherapie heraus, mit denen Wertunterschiede tatsächlich entdeckt und erfahrbar gemacht werden könnten. Es gelte Fragen zu stellen statt Antworten zu diktieren und es gelte die subjektive Seite ernst zu nehmen ohne sie zu verabsolutieren. Resümierend schloss Heyen: „Auch in der Postmoderne bleibt es sinnvoll nach der Wahrheit zu fragen und zu suchen.“
Nach der Eröffnung am Freitagsabend gab der mit 240 TeilnehmerInnen aus dem In- und Ausland besuchte  Jubiläumskongress des DLG am Samstag und Sonntag mit Vorträgen, Seminaren und Workshops spannende Einblicke in die Entwicklung der Logotherapie und Existenzanalyse in Therapie, Beratung und Bildung. Dabei wurden auch neue Ausblicke auf neue Ziele gegeben - getreu dem Motto, das Gegenwart und Zukunft beinhaltet: "Wozu sind wir gut?"

Zurück   Seitenanfang