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Christoph Reuter

Nachlese | Christoph Reuter über den Krieg in Syrien

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Am 07.03.2018 referierte SPIEGEL-Auslandskorrespondent Christoph Reuter über das Thema: "Syrien, Irak, Kurdistan - wie geht es weiter?" in der VHS. Dabei gab er aufschlussreiche Einblicke in die unübersichtliche und komplizierte Lage der Region und lieferte außerdem einen Ausblick auf die mögliche Zukunft der Kriegsentwicklungen und des IS.




Christoph Reuter
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"Syrien, Irak, Kurdistan – wie geht es weiter?": So lautete der Titel des Vortrags, den der SPIEGEL-Auslandskorrespondent Christoph Reuter in der VHS Osnabrück hielt. Die Antwort des in Beirut lebenden Journalisten war eindeutig: Es gibt wenig Grund für Optimismus, dass die Region befriedet werden kann. Zahlreiche Akteure nutzten die komplizierte Gemengelage, um bereits lange bestehende Konflikte auf syrischem Territorium auszutragen.

Zu Beginn seines Vortrags führte Reuter einen kurzen Filmbeitrag vor. Er vermittelte Eindrücke aus dem belagerten Ost-Ghouta und vom Leiden der Zivilbevölkerung. Anschließend verdeutlichte der Auslandskorrespondent die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Akteure und machte somit klar, warum ein Ende des Kriegs nicht in Sicht ist. Für Syriens Regime unter Baschar Hafiz al-Assad habe es von Beginn an keine Kompromisslösung, sondern nur ein "Alles oder Nichts" gegeben. Mit russischer und iranischer Hilfe versuche die Herrscherclique, das Land zurückzuerobern.

Die Kurden, die zunächst als strategische Partner im Kampf gegen den IS von den USA unterstützt wurden, arbeiteten – trotz anderslautender Beteuerungen – auf einen eigenen Staat hin. Daneben führe Israel durch Luftangriffe einen Krieg gegen die Hisbollah nachdem eine iranische Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen war, während die Amerikaner wiederum – nach dem Motto: wenn wir schon mal hier sind – den Iran in Schach halten wollten.

Ein rein "destruktives Konzept" verfolge hingegen Russland: Es wolle mit seinem Eingreifen vorführen, wie schwach der Westen sei, sagte Reuter. Ein weiterer wichtiger Akteur seien die schiitischen Milizen, die die iranischen Revolutionswächter nach Syrien entsandt hätten, um die "konfessionelle Landkarte neu zu schreiben". Ihr Vorgehen unterscheide sich dabei nicht so sehr von dem früheren Auftreten des "Islamischen Staates", nur geschehe dies nicht so offensichtlich. Aber durch das Schüren von Hass auf andere Konfessionen und die "Ökonomie des Verbotenen" brächten die Milizen die Bevölkerung in ihre Gewalt.

Diese verheerenden Entwicklungen seien noch durch die Fehleinschätzung der USA und europäischen Staaten verstärkt worden, die lediglich den Kampf gegen den "Islamischen Staat" im Blick gehabt hätten. Der IS habe nun tatsächlich sein Territorium fast vollständig verloren, aber: "Es wird nicht besser, sondern nur anders", fasste Reuter zusammen. Es drohe sogar die Gefahr, dass der Krieg sich ausweite, da in der Region noch weitere Länder mit konfessionell heterogener Bevölkerung existierten, die in den Konflikt gezogen werden könnten: "Es kann noch weitaus schlimmer werden", lautete Reuters düstere Prognose.

Der Referent befasste sich auch mit der möglichen Zukunft des IS. Seine Einschätzung: Die Terrororganisation wird nicht wieder von einem eigenen Territorium aus der Welt den Krieg erklären, sondern zunächst einmal "überwintern" und dann eher aus dem Untergrund heraus agieren.

(M.-D.)


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