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Marion Beier verabschiedet sich

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Marion Beier geht nach 30-jähriger Tätigkeit in der VHS nun in den Ruhestand. Geleitet hat sie mehr als nur einen Programmbereich, zunächst die "Weiterbildung für Ältere", hat sich stark gemacht für die "Weiterbildung für Frauen" und seit 1995 leitete sie  den Programmbereich Berufliche Bildung, seit 2017 den Zweiten Bildungsweg. Außerdem hatte sie zahlreiche Projekte initiiert und umgesetzt und sich in überregionalen Gremien des Volkshochschulverbands engagiert.

Das folgende Gespräch führte Angelika Schlößer.




Marion, Du warst aus meiner Sicht immer offen für neue Aufgaben und hast Möglichkeiten ergriffen, um die Bedeutung und die gesellschaftliche Rolle von Volkshochschule zu stärken. Was war für Dich besonders wichtig, was lag Dir am Herzen?

Grundsätzlich war mir in allen Programbereichen, die ich gestaltet habe, wichtig, eine Bandbreite von Angeboten vorzuhalten, für Menschen mit ganz unterschiedlichen Kenntnissen und (Bildungs-)Erfahrungen. Dazu gehören einerseits diejenigen, die etwas nachholen möchten – oder müssen – und oft nur wenig finanzielle Mittel für Bildung und Kultur haben, bis hin zu denen, die z. B. beruflich aufsteigen oder sich weiterentwickeln möchten – also eigentlich ganz im Sinne der VHS-"Bewegung" seit ihren Anfängen in den 1920er Jahren und bis heute.

Die "Weiterbildung für Ältere" stand am Beginn Anfang der 1990 Jahre: wir waren von der Idee des "Unruhestands", des Selbst-Empowerments und damit der Veränderung der "Altenbildung" , wie sie damals noch hieß, überzeugt. Viele neue Veranstaltungsformate wie Schreibwerkstätten und Theatergruppen, Sprachkurse "mit Muße", EDV-Angebote für Ältere wurden entwickelt und entsprachen wohl auch den Interessen vieler Teilnehmer:innen, unabhängig von einer festen Altersgrenze.

Die Berufliche Weiterbildung, die ich 1995 übernommen habe, stellte dann ganz andere Anforderungen: Qualifizierung- und Aufstiegslehrgänge, Zertifikate und Prüfungen verschiedener Art, Angebote für unterschiedliche Branchen stellten nicht nur mich selbst, sondern auch die Dozent:innen vor neue Herausforderungen, oft mussten sie auch erst gefunden und neue Netzwerke geknüpft werden ... Aber das war ebenfalls spannend, fordernd und ganz in meinem Sinne eines breiten qualifizierten Angebotsspektrums.

Du hast Dich immer besonders für Projekte engagiert, die ich ja oben schon angesprochen habe. Welche Möglichkeiten hast Du darin gesehen?

Projekte bieten aus meiner Sicht eine gute und notwendige Möglichkeit, zusätzlich zu den VHS-Angeboten Neues auszuprobieren, auf aktuelle Bildungsbedarfe von Gruppen oder gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Dazu gehört – leider noch immer – das Thema der beruflichen Gleichstellung bzw. Berufsrückkehr von Frauen, die Integration von Migrant:innen und Geflüchteten in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt, das Nachholen von Schulabschlüssen etc. Nicht zuletzt bieten Projekte zusätzliche finanzielle Mittel, die den Teilnehmenden zu Gute kommen – Projekte sind also kein Selbstzweck, das lag mir immer besonders am Herzen.

Eine wichtige sozialpolitische Entwicklung haben wir mit dem Projekt "steps – Individuelle Beratung für Arbeitslose", gefördert aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit, begleitet bzw. erproben dürfen. In vier Beratungsbüros der VHS in Stadt und Landkreis haben 12 VHS-Mitarbeiter:innen ein Konzept für die umfassende soziale Beratung von Langzeitarbeitslosen und ihre Integration in den Arbeitsmarkt entwickelt und sehr erfolgreich durchgeführt – aus meiner Sicht der wichtigste positive Aspekt der 2005 folgenden Hartz-IV-Reformen und der bundesweiten Einrichtung der Jobcenter.

In den letzten Jahren waren wir erfolgreich in der Projektakquise von Landesmitteln für die "Schulabschlüsse für Geflüchtete" im 2. Bildungsweg, ein sozialpolitisches Feld, auf dem die VHS langjährige Expertise hat und die damit dank der engagierten Arbeit von Projektleiterinnen und Lehrkräften wesentlich erweitert werden konnte.

Welche Nachhaltigkeit haben aus Deiner Sicht Projekte für die VHS-Arbeit?

Mit der Nachhaltigkeit ist das so eine Sache ... Alle, die Projekte beantragen und insbesondere die Projektmitarbeiter:innen wissen um die Problematik der Befristungen, des schwierigen Transfers von Konzepten in den Weiterbildungs-Alltag. Aber Projekte bieten Freiräume zum Experimentieren, zusätzliche Finanzmittel, neue Chancen für Teilnehmende, auch Möglichkeiten zur Profilierung der VHS sowie Beschäftigungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Projektmitarbeiter:innen. Persönlich war für mich immer wichtig, dass die VHS-Leitung und das Team dieses Engagement unterstützen und mittragen. Und, wenn es dann gut läuft, wird durch die Projekterfahrungen die Sensibilität für aktuelle Themen im eigenen Haus gestärkt und verankert – die Arbeit für und mit Frauen, Älteren und auch mit Geflüchteten sind inzwischen immerhin fester Bestandteil des VHS-Angebots.

Angebote für Frauen zu machen, stand bei Dir immer wieder besonders im Fokus, vor allem ihre Rollen und beruflichen Möglichkeiten zu unterstützen. Wie wichtig es immer noch ist, zeigt ja auch die aktuelle Diskussion um Frauenquoten, die wieder neu entfacht ist, insbesondere auf der Führungsebene in Wirtschaft und Politik. Aber neben der beruflichen Weiterbildung lag dein Interesse auch immer auf der Kulturgeschichte von Frauen:

Besonders gerne erinnere ich mich an das Projekt "Fotografinnen – von der Lichtbildkünstlerin zur Computerkünstlerin“, in dessen Rahmen wir (du aus dem Programmbereich Kulturelle Bildung und ich) neben spannenden Vorträgen die Ausstellung des "Verborgenen Museums Berlin" über die Fotografin Lotte Jacobi zeigen konnten, eine großartige Wiederentdeckung und wirkliche Besonderheit in der VHS. Wir waren unterwegs auf den "Spuren der Göttin – über Matriarchate und Matriarchatsforschung" mit einer Ausstellung über urgeschichtliche Zeichnungen und Frauenfiguren des Frauenmuseums Wiesbaden. Die Geschichte der "Jüdischen Salons" zeigten wir am Beispiel von Rahel Varnhagen, und mit der Ausstellung "Überlebenskunst – Frauenalltag auf Stoffbildern" stellten wir großformatige traditionelle Textilarbeiten aus verschiedenen Kulturkreisen aus, verbunden mit kritischen Berichten über die Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen weltweit. Dies alles beruhte auf meinem persönlichen Interesse an Frauen-Kultur-Geschichte, wäre aber ohne ein Netzwerk von fachkundigen feministischen Wissenschaftlerinnen, Autorinnen, Kolleginnen und Einrichtungen (nicht nur) in Osnabrück, nicht möglich gewesen.

Dein überregionales Engagement hat mich immer sehr beeindruckt. Was hat Dich daran gereizt?

Über den Tellerrand schauen – das hat mich viele Jahre lang für die Arbeit an der VHS vor Ort motiviert und mir immer neue Impulse gegeben. Dazu gehörte auch das Engagement in überregionalen Gremien der VHS-Welt, sei es auf Landes- oder auf Bundesebene. In meiner 12-jährigen Tätigkeit als Vorsitzende des dvv-Frauen- bzw. Genderausschusses (dvv: Deutscher VHS-Verband) und Mitglied des dvv-Vorstands habe ich nicht nur viele verschiedene VHSen kennen gelernt, sondern mich besonders dafür engagiert, den Verband und seine Gremien "frauengerechter" zu gestalten (zur Erinnerung: mehr als 70% der Teilnehmenden an VHS sind Frauen, die überwiegende Zahl der Beschäftigten ebenfalls!). Die wichtigen und einflussreichen Positionen aber waren auch dort noch viel zu lange wichtigen und einflussreichen Männern vorbehalten...

So werde ich nicht vergessen, dass VHS-Leiter anlässlich der Berichterstattung zum Stand der Frauenförderung im dvv schon mal den Saal verließen, ein Dauerbrenner. Eine frauen- bzw. gendergerechte Verbands-Satzung wurde jedenfalls erst nach jahrelangen zähen Diskussionen durchgesetzt – übrigens auch durch das unermüdliche Engagement der ehemaligen dvv-Präsidentin Rita Süßmuth!

Liebe Marion, Deine Stimme wird uns fehlen in unserem Team. Du hast gerne kritische Fragen gestellt, warst gut informiert, hast unsere VHS vor allem immer auch in verschiedenen Kontexten gesehen, ob auf kommunaler Ebene, landesweiter, nationaler und auch internationaler Ebene. Es waren oft wichtige Hinweise, die unseren Blick geweitet haben.

(Sr/Br)


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