Nachlese | Die offene Zukunft Nigerias - Prof. Kappel referiert an der VHS Osnabrück

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Nur ein Gesamtplan, der neben militärischem Vorgehen auch eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung Nigerias umfasse, könne Erfolg im Kampf gegen Boko Haram haben, konstatierte der Wirtschaftswissenschaftler und Politologe Prof. Dr. Robert Kappel. Er vermutet, dass auch zukünftig eine "instabile Balance" in der inzwischen größten Volkswirtschaft Afrikas vorherrschen wird.




Vom totalen Zusammenbruch des Landes bis zu Demokratie und Wirtschaftswachstum: Derzeit sind zahlreiche Szenarien für Nigeria, die größte Volkswirtschaft Afrikas, denkbar. Wie schwer die Entwicklung vorauszusagen ist, zeigte der Vortrag "Nigeria im politischen und wirtschaftlichen Umbruch. Herausforderung Boko Haram", den der Wirtschaftswissenschaftler und Politologe Prof. Robert Kappel nun in der VHS Osnabrück hielt. Die für ihn wahrscheinlichste Variante: "Alles ändert sich und bleibt doch gleich."

Mit dieser scheinbar widersprüchlichen Zusammenfassung drückte Kappel aus, dass auch künftig eine "instabile Balance" in Nigeria vorherrschen werde. Das Positive der derzeitigen Entwicklungen: Die Mittelschicht ist mittlerweile auf rund 40 Millionen Menschen angewachsen. Sie könne möglicherweise der "Motor" für das Land sein, sagte Kappel, der am GIGA, dem German-Institute of Global and Area Studies, tätig ist. Doch ungleich breiteren Raum nahmen in seinem Vortrag all die Fehlentwicklungen ein, die Nigeria lähmen. Da sind die alles durchdringende Korruption,  angefangen beim derzeitigen Präsidenten Goodluck Jonathan, die große Abhängigkeit von der Ölproduktion sowie die extreme Ungleichverteilung: Wenigen Superreichen – zumeist ehemalige Generäle – stehen mehr als 120 Millionen Menschen entgegen, die in extremer Armut leben. "Nigeria nutzt bei Weitem nicht seine Potentiale"  fasste Kappel zusammen. Die Folge: Das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung ist heute niedriger als 1960.

Und schließlich ist da noch Boko Haram. Die islamistische terroristische Gruppierung, die besonders stark im Norden des Landes vertreten ist, will einen Gottesstaat errichten. Einige ihrer Besonderheiten: Boko Haram richtet den Terror in der Regel nicht gegen den Westen, geht dafür aber umso brutaler im eigenen Land vor. Zugleich ist die Gruppierung sehr stark in der Bevölkerung verankert. Ihr gegenüber steht ein wenig erfolgreiches Militär. Da der Konflikt bereits auf die Nachbarstaaten Kamerun, Niger und den Tschad übergesprungen ist, drohe sogar ein "Flächenbrand", wie Kappel ausführte. Nur ein Gesamtplan, der neben einem effektiveren militärischen Vorgehen auch eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung Nigerias umfassen müsste, könnte Erfolg im Kampf gegen Boko Haram haben, sagte Kappel.

Derzeit ist Wahlkampf in Nigeria – und auch der wird häufig gewaltsam ausgetragen. Dabei ist offen, ob der angesetzte Wahltermin Ende März überhaupt umgesetzt werden kann. Für die weitere Entwicklung Nigerias bleiben somit zahlreiche Fragezeichen. Dass die Herausforderungen nicht kleiner werden liegt bereits in der demographischen Entwicklung begründet: Nach derzeitigen Prognosen wird die Bevölkerung innerhalb der kommenden 35 Jahren von 175 Millionen auf 400 Millionen Menschen anwachsen.

 

(Henning Müller-Detert)

 

Weitere Informationen als PDF zu diesem Thema auf den Seiten des GIGA.


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