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Nachlese: Günter Grass - ein Gedicht und seine Folgen

3. November 2014

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Prof. Dr. Heinrich Mohr, Prof. Dr. Mohssen Massarat, Dr. Stefan Lüddemann, Derk Olaf Steggewentz und Lioba Meyer als Moderatorin diskutierten am Beispiel von Grass´ Gedicht "Was gesagt werden muss" kontrovers über die Frage, was Kunst kann bzw. darf in Bezug auf die Situation im Nahen Osten.




Die "Überautorität" Grass polarisiert weiter

Veranstaltung der VHS der Stadt Osnabrück drehte sich um das Gedicht "Was gesagt werden muss"

Für Viertel vor zehn hatte Moderatorin Lioba Meyer das Ende der Veranstaltung angekündigt. Noch eine halbe Stunde später war genug Gesprächsstoff vorhanden, um die Diskussion weiterzuführen. Der Schlagabtausch zeigte: Das Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass über einen möglichen Krieg zwischen Israel und dem Iran, bewegt weiter. So unterschiedlich einige Positionen auch waren, die meisten Zuhörer stimmten dem Fazit von Politikwissenschaftler Prof. Dr. Mohssen Massarat zu: „Grass hat dafür gesorgt, dass offener diskutiert wird.“

Neben Massarat nahmen an der Diskussionsveranstaltung Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heinrich Mohr, Derk Olaf Steggewentz (Erich Maria Remarque-Gesellschaft) sowie Dr. Stefan Lüddemann (Neue Osnabrücker Zeitung) teil. Darüber hinaus beteiligte sich der Germanist und Grass-Herausgeber Prof. Dr. Volker Neuhaus als ausgewiesener Grass-Kenner an der Diskussion.

In der Veranstaltung wurden zahlreiche Punkte gestreift, zum Beispiel, ob es sich bei dem Text überhaupt um ein Gedicht handelt. Hier äußerte Lüddemann im Gegensatz zu Neuhaus Zweifel. Die beiden Gesprächspartner gerieten noch lebhafter in der Frage aneinander, ob Grass schon im Vorfeld über die Kritik von Henryk M. Broder unterrichtet gewesen sein könnte, was Neuhaus zurückwies.

Entscheidender als Qualität und Vorgeschichte des Grass-Textes waren allerdings zwei Aspekte: Stimmen die Vorwürfe, dass der Nobelpreisträger Antisemit ist? Und: Wie sieht die politische Lage im Nahen und Mittleren Osten aus? In der ersten Frage ergab sich schnell ein einheitliches Meinungsbild: Mohr hatte in seinen einleitenden Worten das Gedicht zunächst vorgetragen und dann analysiert („Der Autor ist gequält und will quälen“). Sein Ergebnis lautete, dass das in der Öffentlichkeit gezeichnete Bild über den Schriftsteller ein „übles Phantasiebild“ sei.

Zu der politischen Situation äußerte sich Massarat ausführlich. Seine Analyse: Seit Bekanntwerden des iranischen Atomprogramms habe sich die Berichterstattung ausschließlich um den Iran gedreht, obwohl die Konflikte in der Region vielschichtig seien: „Wir verschweigen seit zehn Jahren den gesamten Sachverhalt und nennen immer nur die Gefahren, die vom Iran ausgehen“, kritisierte der Politikwissenschafter. In der Öffentlichkeit werde die Rolle Israels hingegen nicht hinterfragt. Diese Darstellung teilten zahlreiche Besucher, Lüddemann relativierte allerdings. Der Text von „Überautorität“ Grass sei keine exklusive Stellungnahme, die dargestellte Situation sei schon vorher in vielen Punkten bekannt gewesen. Außerdem seien die Medien in ihrer Berichterstattung keineswegs „ferngesteuert“, sondern hätten sich auch kritisch mit der Politik Israels auseinandergesetzt.

(Müller-Detert)


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