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Nachlese: Harald Martensteins Ansichten eines Hausschweins

3. November 2014

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Harald Martenstein stellte in der VHS seine neue Textsammlung vor. Scharfsichtig und scharfzüngig kommentierte der Kolumnen-Autor des Zeit-Magazins darin alles von der Genderforschung über Schneckenplagen bis hin zu selbstgerechten Kritikern des Dschungelcamps und bescherte so seinen ZuhörerInnen einen kurzweiligen, vergnüglichen Abend.




"Faul und überbezahlt" – und damit ein Genuss für die ZuhörerInnen

Zeit-Kolumnist Martenstein liest in der VHS Osnabrück

Osnabrück. Eigentlich, so gestand der Referent, lautete die Vorgabe seines Auftraggebers, dass er eine Verbraucherkolumne verfassen sollte. Doch Harald Martenstein, Kolumnen-Autor des Zeit-Magazins, schob die Definition des Begriffs "Verbraucherprobleme" immer weiter hinaus, bis er thematisch sein eigener Herr war. Davon konnten sich auch die BesucherInnen in der VHS Osnabrück ein Bild machen, denn der Autor kommentiert scharfsichtig und scharfzüngig alles von der Genderforschung über Schneckenplagen bis hin zu selbstgerechten Kritikern des Dschungelcamps.

"Ansichten eines Hausschweins", lautet der Titel der neuesten Textsammlung, die Martenstein vorstellte. Nun sind die Texte das eine, das andere die Vortragsweise. Und die hat der Journalist so gut ausbalanciert, dass Pointen und Wendungen in der gesprochenen Variante noch eine Spur griffiger als in der geschriebenen Version sind. Hinzu kommt, dass auch die Ankündigungen voller ironischer Anspielungen stecken. Beispiel: Der Kolumnist hat erkannt, dass ein Autor mit seinen Zeitungsartikeln die Welt kein bisschen ändert. Ihm selbst gelang es aber mit einem seiner Texte, dass der Online-Anbieter amazon den Preis für ein Kondommarke hatte senken müssen: "Das habe ich an der deutschen Gesellschaft verändert", verkündete der gebürtige Mainzer mit gespieltem Stolz.

Dessen Kunst ist auch, Erfahrungen, die wohl jeder schon einmal gemacht hat, auf eine andere Ebene zu hieven. Das führt der Journalist etwa mit seinen Ausführungen über die Bewerbung eines Überfliegers vor. Wer kennt sie nicht, diese Lebensläufe andere Menschen, bei denen man nur blass werden kann? Er selbst sei sich "durchschnittlich, faul, überbezahlt, dumm und dumpf" vorgekommen – und habe den Bewerber abgelehnt. Schließlich wolle man am liebsten jemanden einstellen, der wie man selber sei: mäßig kompetent, also ein "Mängelexemplar".

Ebenso gediegen gelingt es Martenstein, Themen zusammenzuführen, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören. Das tut er etwa mit Betrachtungen über das Älterwerden und von Männern, die sich dann als Macho aufführen, wenn es ihre Frau verlangt. Ein würdiger Abschluss ist das Sezieren der Jugendsprache, bei der für gut zunächst "geil" und dann "porno" steht, während schlecht von "schwul" zu "psycho" mutiert. Da ist es ein reiner Genuss, wie der Autor mit den Begriffen spielt und immer absurdere Kombinationen entwickelt.

Schade ist allein eins: Martenstein lässt durchblicken, dass er auch eine Kolumne über Osnabrück geschrieben hat. Schließlich stand die Stadt mal ganz oben, als ermittelt wurde, wo die Menschen am glücklichsten sind. Der Autor belässt es bei Andeutungen und verspricht bei seinem nächsten Auftritt in der VHS mehr zum Thema.

(Henning Müller-Detert)


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