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Nachlese: Holger Senzel über Burnout und den Weg zurück ins Leben

3. November 2014

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Einen ganz persönlichen und eigenständigen Weg aus seiner Depression wählte Holger Senzel, heute beim NDR und früher London-Korrespondent der ARD. Die "Seelenbäder" bei diversen Therapeuten vertauschte er mit einem klar strukturierten und strikt einzuhaltenden Tagesplan und bahnte sich so einen mühsamen aber erfolgreichen Weg zurück ins Leben. Sein Buch über diese Zeit stellte er in einer Lesung vor.




NDR-Korrespondent spricht über seinen Weg aus der Depression

Fünf Therapien hatte Holger Senzel absolviert. Die spätere Einsicht: "Ich habe sie gemacht, um nichts zu verändern." Seine Depression besiegte er dann durch ein System Marke Eigenbau: Der Korrespondent verordnete sich ein vierwöchiges Idealleben bis ins Detail. Über seine Erfahrungen berichtete er nun in einer Lesung im Renaissancesaal Ledenhof.

"Arschtritt – Mein Weg aus der Depression zurück ins Leben", lautet der Titel des Buches von Senzel, das er auf Einladung der VHS und dem Literaturbüro Westniedersachsen vorstellte. Der 52-Jährige beschränkte sich allerdings auf nur wenige Kapitel und ermöglichte so ein ausführliches Gespräch mit dem Publikum.
Das bekam den Tagesablauf präsentiert, den Senzel sich für vier Wochen verordnet hatte, "kurz und schmerzhaft": Um fünf Uhr morgens Sport, Arbeit, Hausarbeit, selber kochen, Termine für Kultur und dazu Verzicht auf Alkohol, Zigaretten und Fernsehen. Der Vertrag, den Senzel mit sich selber geschlossen hatte, sah zudem einen entscheidenden Passus vor: Verstößt er gegen die Regularien beginnen die vier Wochen wieder von vorne. Das hat zur Folge, dass der Selbstversuch nicht 28 sondern ganze 88 Tage dauerte: "Aber ich habe es geschafft" stellte Senzel zufrieden fest.

Warum hatte sich der Korrespondent aber diese Auflagen gemacht? Die zentrale Episode der Lesung kreiste um den 4. Juli 2006: Senzel feiert seinen 47. Geburtstag in London – wobei von Feier nicht die Rede sein kann: "Ich fühlte mich müde, kraftlos und unendlich alt", heißt es im Buch. Selbst für das Ausfüllen von Überweisungen fühlt er sich überfordert, im Büro versteckt er sich und ignoriert das Telefon.
Ausweg könnte eine Therapie sein – die Senzel aber wegen früherer Erfahrungen nicht beginnt: "Ich war süchtig nach meinem wöchentlichen Seelenbad", berichtet er über die früheren Sitzungen. Alte Wunden und Verletzungen wurden da erörtert, mit dem Ergebnis, dass der Journalist die Probleme zu erkennen glaubte, dann aber alles beim Alten blieb. "Ich bräuchte keine Therapie, sondern jemanden, der mir in den Hintern tritt", stellt der Journalist schließlich fest – und er selbst übernimmt die Rolle. Denn was ihm hilft ist, dass er sich erstmal mit dem "Kleinkram" befasst und nicht mehr von den "Mega-Problemen" erdrücken lässt.

Der frischgebackene Autor möchte sein Werk allerdings nicht als Ratgeber verstanden wissen, wie er auch grundsätzlich nicht Behandlungen ablehnt. Für ihn selbst aber gilt: "Ich habe meinen Weg gefunden, ohne Therapie."

 

(Müller-Detert)


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