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Nachlese: Konferenz "Japan nach der Katastrophe"

3. November 2014

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Am 4. November 2011 fand an der VHS in Koopertion mit der Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück eine Konferenz zu diesem beinahe völlig aus den Medien verschwundenen, aber nach wie vor brisanten Thema statt. Die TeilnehmerInnen, einige für diesen Tag extra aus Japan angereist, erörterten dabei die Frage nach den Auswirkungen der Erdbeben-Katastrophe vom 11. März 2011 mit Tsunami und Reaktor-GAU.




Japan nach der Katastrophe – eine strahlende Zukunft?

Volkshochschule & Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück, 4. November 2011

Die Kruste so dünn

Im Erdinneren gärt es

Japans Schlaf ist leicht

(Michael Zeller http://www.musenblaetter.de/artikel.php?aid=8325)

Dieses war das Motto der eintägigen Konferenz, die von Prof. em. Dr. György Széll, Prof. Dr. Roland Czada, beide Universität Osnabrück und Dr. Carl-Heinrich Bösling, Volkshochschule Osnabrück, veranstaltet wurde. Sie wurde durch die Veröffentlichung der Forschungsstelle Japan 21 (2011), "Die Atomkatastrophe von Fukushima: Lehren für die Zukunft" mit Beiträgen von Johannes Jaenicke, Udo E. Simonis und Narihiko Itô, herausgegeben von György Széll und Carmen Schmidt initiiert. Die Schrift ist herunterladbar unter: http://www.fsjapan.uni-osnabrueck.de/media/Publikationen/Veroeffentlichungen_der_FSJ_21.pdf.

  

Auf dem Hintergrund der dreifachen Katastrophe am 11. März 2011 (Erdbeben, Tsunami, Reaktor-GAU) wurde bei der Konferenz folgenden Fragen nachgegangen:

  • Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Wirtschaft?
  • Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Politik?
  • Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die Technologieentwicklung, insbesondere im Energiebereich?
  • Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf die internationale Zusammenarbeit?
  • Welche Auswirkungen haben die Katastrophen auf das Verhältnis zwischen Japan und Deutschland?

Die Veranstaltung begann mit einem Grußwort des japanischen Konsuls Tomio Sakamoto vom Generalkonsulat Hamburg. Daran schloss sich der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Roland Czada "Three Mile Island, Tschernobyl und Fukushima" an. In der ersten Sitzung "Wirtschaftskrise und Umwelt" unter Leitung von Prof. Dr. Ralf Kleinfeld, stellvertretender Leiter der Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück, referierten Prof. em. Dr. Dr.h.c. Udo E. Simonis vom Wissenschaftszentrum für Sozialwissenschaften, Berlin, sowie Prof. Dr. Johannes Jaenicke unter Mitarbeit von Richard Abendroth, Universität Erfurt über "Rechnen mit dem Restrisiko: Fukushima I". Dabei wurde deutlich, dass durch die Haftungsbeschränkungen bzw. gar der Haftungsausschlüsse der Atomkraftbetreiber – auf Grund der Förderpolitik der Staaten –, diese kein Interesse an einer Risikominderung hatten und haben.

Anschließend hielten Prof.  Shuji Yamada und Prof. Dr. Yoshifumi Fujii, Bunkyo Universität, einen Vortrag über "Japan Citizens’ Deliberation and its Ironical Results – Citizens of ‚Dependent‘ Character". Dieses Referat beruhte auf jüngsten Erhebungen in Chigasaki, einer Gemeinde von 230.000 Einwohnern im Großraum Tokio. Dabei ging es um die Reaktionen der Bevölkerung der Bevölkerung nach den Katastrophen am 11. März 2011 mittels Bürgerforen alternative Formen des Bevölkerungsschutzes und der Prävention für die Zukunft zu entwickeln. Dabei zeigte sich das Paradox, dass trotz des Versagens der Behörden die meisten Bürger noch immer Vertrauen in den Staat haben.

Die Sitzung zur Politik unter Leitung von Dr. Carl-Heinrich Bösling wurde eröffnet mit einem Vortrag "Schützt die Kinder vor Radioaktivität!-Der Kampf der Eltern in Fukushima" unterstützt durch einen Film von Yasuko Ishikawa, einer Aktivistin der japanischen Friedensbewegung. Dieses sehr engagierte Plädoyer zeigte sehr deutlich, dass keineswegs alle JapanerInnen nur höflich und duldsam reagierten, sondern doch sehr massive Proteste mit bis zu 60.000 TeilnehmerInnen die Regierung dazu brachten, unverantwortlich erhöhte Radioaktivitätswerte zurück zu nehmen.

Daran schloss sich der Vortrag von Prof. em. Dr. Paul Kevenhörster, Westfälische Wilhelms-Universität Münster über "Welche Auswirkungen hat die Katastrophe auf die Politik Japans?" an. Er endete mit dem Zitat:  "Japan muss sich neu erfinden und die Welt aus Neue überraschen!" (Asahi Shimbun, "Vox Populi"). Den Abschluss der Konferenz bildete eine Paneldiskussion mit allen RednerInnen unter der Leitung von Prof. em. Dr. György Széll. Als deren Ergebnis ist festzuhalten, dass – im Anschluss an das Statement im Vortrag von Paul Kevenhörster – die TeilnehmerInnen ebenso wie die RednerInnen überzeugt sind, dass die dreifache Katastrophe eine Chance bietet, das japanische politische und Wirtschaftssystem radikal umzugestalten, obwohl es (noch?) nichts Vergleichbares wie die Grünen Parteien in Europa gibt. Das Potential ist da, jedoch fehlt es an der Strukturierung und Organisationsentwicklung. Auf jeden Fall wird Japan wahrscheinlich noch Jahrzehnte mit der Aufarbeitung und dem Wiederaufbau beschäftigt sein.

Die Konferenz ist offizieller Bestandteil der Feierlichkeiten "150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan". Gefördert wurde sie durch die beiden Osnabrücker Unternehmen Köster Bau und Sievert AG. Ein Empfang im Friedensaal des Rathauses beendete die Konferenz. Es ist geplant, die Beiträge in einer Buchveröffentlichung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.  

 

György Széll


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