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Nachlese: Marcel Pott über den Prozess des arabischen Frühlings

3. November 2014

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In seinem Vortrag "Der Kampf um die arabische Seele" zeigte der Journalist und Arabienkenner Marcel Pott in seinem Vortrag den derzeit herrschenden "Kulturkampf" zwischen westlich-orientierten und religiös-fundamentalistischen Kräften auf, Ausgang ungewiss. Mehr noch: "Der arabische Frühling war sicherlich notwendig. Er hat aber einen schmerzhaften Prozess eingeläutet", lautete das düstere Fazit Potts.




Erst die sogenannten Facebook-Revolutionen, dann die Wahlerfolge der Islamisten: Derzeit scheint offen, wohin der arabische Raum steuert. Einige Fragezeichen setzte auch Marcel Pott, der am Dienstagabend in der VHS Osnabrück zu Gast war.

In seinem Vortrag "Der Kampf um die arabische Seele" verdeutlichte der Journalist und Arabienkenner den derzeit herrschenden "Kulturkampf" zwischen westlich-orientierten und religiös-fundamentalistischen Kräften, Ausgang ungewiss. Mehr noch: "Der arabische Frühling war sicherlich notwendig. Er hat aber einen schmerzhaften Prozess eingeläutet", lautete das düstere Fazit Potts.

VHS-Geschäftsführer Dr. Carl-Heinrich Bösling nahm in seiner Begrüßung die jüngsten Entwicklungen auf: Nach Beginn des arabischen Frühlings habe es Hoffnung gegeben, dass sich "die Dinge zum Guten wenden". Mittlerweile seien diese oftmals enttäuscht worden. Ganz besonders bedrückend ist die Entwicklung in Syrien, die Pott nachzeichnete. "Ein ganzes Volk wird in die Vernichtung getrieben", sagte der Referent mit Blick auf den Terror des Assad-Regimes und manche fundamentalistische und aus dem Ausland unterstützte Gruppierung unter den Aufständischen.

Zuvor hatte Pott seinen Blick auf die von der arabischen Revolution betroffenen Länder und insbesondere auf Ägypten geworfen. "Nirgendwo ist ein Sieg der Demokratie gelungen", sagte der Journalist. Es habe zwar Wahlen gegeben, es fehle aber an Gewaltenteilung, unabhängiger Presse und Gleichberechtigung der Frau. Nach dem Umsturz gebe es ein Machtvakuum, das zu füllen einige Zeit brauche. Doch wie wird es gefüllt?

Der Referent analysierte die vormalige Ordnung, in der sich das Regime sich auf Militär und Geheimdienst stützte, die von Obrigkeitsdenken und Religion geprägte Mentalität der Bevölkerung und die Fähigkeiten der Moslembrüder, die Revolution für sich zu nutzen. Sie hätten schon vor dem Umsturz dort Sozialarbeit geleistet, wo der Staat versagt habe. Anschließend seien sie die einzige Gruppierung gewesen, die organisatorisch das gesamte Land habe erreichen können, erläuterte der Referent. Deshalb sei der Wahlsieg der Islamisten keine Überraschung gewesen.

Doch die Fragezeichen bleiben: Die Moslembrüder hätten an Popularität verloren, weil Religion allein nicht "Job und Brot" bringe. Fraglich sei nun, ob Kräfte, die für eine libertär-westliche Gesellschaft stünden, an Einfluss gewinnen könnten. Ein weiteres Fragezeichen: Kann sich so etwas wie eine islamische Demokratie entwickeln? "Das kann im Moment niemand beantworten", sagte Pott.

(Müller-Detert)


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