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Nachlese: Prof. Dr. Rudolf Hickel zur Finanzmarktkrise

3. November 2014

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Dr. Rudolf Hickel, Professor für Finanzwissenschaft und Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen, hielt an der VHS ein Plädoyer für den Euro und sprach sich für eine Überwindung der Konstruktionsfehler statt kurzfristiger Krisentherapie aus.




"Wir stehen vor einer weiteren Finanzkrise", ist Prof. Dr. Rudolf Hickel (Universität Bremen) überzeugt. Der Unterschied zu den Turbulenzen vor drei Jahren: Der Wissenschaftler beklagt ein Versagen der Politik. Bei seinem Vortrag an der VHS Osnabrück plädierte er dafür, dass das Währungsprojekt Euro perfektioniert wird: "Wenn das nicht klappt, dann muss es abgebrochen werden." #In seiner Begrüßung verwies VHS-Direktor Dr. Carl-Heinrich Bösling auf die aktuelle Entwicklung: Dax auf dem Tiefstand, Schuldenkrise und Verfassungsklage gegen den Rettungsschirm.

"Lohnt es sich, den Euro zu retten?", lautete die passende Überschrift des Vortrags. Die Frage beantwortete Hickel unumwunden mit einem "Ja". Die Währung zeichne sich durch stabilen Binnenwert und attraktiven Außerwert aus. Darüber hinaus sei sie eine Anlagewährung für andere Länder. Und: Deutschland habe durch den Güterexport massiv profitiert.#Dennoch steht das Projekt nach Ansicht von Hickel auf der Kippe. Dabei blickte der Referent auf die Einführung des Euro zurück. Der damalige Kanzler Helmut Kohl und sein Finanzminister Theo Waigel hätten Fehler mit zu verantworten, da eine wirtschafts- und finanzpolitische Koordination der beteiligten Staaten keine Rolle gespielt habe. Darüber hinaus habe ein Land wie Italien Konvergenzkriterien wie die Staatsschuldquote deutlich verfehlt: "Der politische Opportunismus hat von vornherein eine Rolle gespielt", kritisierte Hickel.#Was also tun? Der Wissenschaftler plädierte für eine "Überwindung der Konstruktionsfehler statt kurzfristiger Krisentherapie".

Hickel unterstützte in seinem Beitrag den europäischen Rettungsfonds, die geplanten Eurobonds sowie einen Schuldenschnitt für Griechenland. Dort sei eine "Schrumpfpolitik" der falsche Schritt, weil die Wirtschaft weiter geschwächt würde. Weitere Schritte seien die Harmonisierung der EU-Unternehmensbesteuerung sowie der Ausbau der Europäischen Union zur Wirtschafts-, Sozial und Umweltunion.#Und schließlich: Der "streitbare Wirtschaftswissenschaftler" (Bösling) sprach sich für die Regulierung der Finanzmärkte aus. "Alles was wir hätten lernen sollen aus der Finanzmarktkrise war ganz schnell vergessen", bezog sich Hickel auf den Absturz von vor drei Jahren.

Dabei kann der Wissenschaftler plötzlich auf unerwartete Unterstützung hoffen. Hickel verwies auf eine Rede vom Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, der sich angesichts der Turbulenzen dafür aussprach, das originäre Bankgeschäft vom Investment-Banking abzutrennen: "Der Läuterungsprozess kommt spät, vielleicht hätte er mal an Veranstaltungen der Volkshochschule teilnehmen sollen", kommentierte der Referent süffisant.

Linktipps:

Stellungnahme von Prof. Dr. Rudolf Hickel

Präsentation an der VHS von Prof. Dr. Rudolf Hickel


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