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Nachlese: Christopher Clark - Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog

3. November 2014

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Allein in Deutschland hat Prof. Christopher Clark bis jetzt mehr als 200.000 Exemplare von seinem Buch "Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog." verkauft. Die Popularität des Historikers zeigte sich nun auch bei seinem Vortrag in Osnabrück: Die Schlossaula der Universität reichte kaum aus für den Besucherstrom.




Bestsellerautor Christopher Clark referierte über den Ersten Weltkrieg

Allein in Deutschland hat Prof. Christopher Clark bis jetzt mehr als 200.000 Exemplare von seinem Buch "Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog." verkauft. Die Popularität des Historikers zeigte sich nun auch bei seinem Vortrag in Osnabrück: Die Schlossaula der Universität reichte kaum aus für den Besucherstrom. Die überwältigende Resonanz zeigte auch, dass das Thema Clarks – die Ursachen für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs – nicht an Aktualität verloren hat. Passend dazu wurde im abschließenden Podiumsgespräch mit Dr. Christoph Rass, der an der Universität Osnabrück Neueste Geschichte lehrt, der Konflikt in der Ukraine aufgegriffen. Die Analogien zwischen 1914 und 2014 seien aber "eher oberflächlich", sagte Clark.

Zu dem Vortrag hatten die VHS Osnabrück, die Universität Osnabrück sowie das Büro für Friedenskultur eingeladen. Clark erläuterte darin seinen Ansatz für "Die Schlafwandler": weg von der "schuldorientierten Darstellung" – wie in der Fischer-Kontroverse – hin zur Untersuchung der multilateralen Prozesse. Der Referent unterstrich allerdings: "Das ist kein Freispruch für die damalige deutsche Staatsführung." Aber auch in den anderen beteiligten Ländern hätten Staatsmänner die Ereignisse nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz-Ferdinand in ihren gedanklichen Rahmen eingeordnet und sich optimale Voraussetzungen für einen drohenden Waffengang erhofft.

Dies machte der australische Wissenschaftler in seinem Vortrag zum einen daran deutlich, dass er bislang wenig beleuchtete Aspekte wie etwa den Krieg Italiens gegen Tripolitanien (1911) in seine Untersuchung einbezog. Zum anderen zeigte er exemplarisch anhand der Balkanpolitik Frankreichs und Russlands die Einschätzungen von Diplomaten und Politikern sowie die komplexen Bündnisstrukturen.

Im Gespräch mit Rass beschrieb Clark auch den Entstehungsprozess seines Buches. Schon als Schüler habe er das Gefühl gehabt, dass der Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht allein mit einer "Liste der deutschen Provokationen" zu erklären sei.

Der 54-Jährige kritisierte zudem, dass viele europäische Länder in ihrer Erinnerungskultur auch heute noch eine nationale und nicht eine europäische Sichtweise an den Tag legten.

Zum Abschluss kamen Rass und Clark auf den aktuellen Ukraine-Konflikt zu sprechen, bei dem derzeit viele Experten Parallelen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs erkennen. Clark zählt allerdings nicht dazu, wobei er die Kriegsgefahr nicht kleinreden wollte. Aber: Im Gegensatz zur Krise vor 100 Jahren würden  die USA und die Europäische Union "eher zurückhaltend" agieren. Dazu sei der Wille erkennbar, die Position der anderen Partei erkennen zu wollen. „1914 waren die Länder völlig unfähig, sich in den Gegner hineinzuversetzen“, sagte der Historiker.

Henning Müller-Detert

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