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Nachlese: H. Abdel-Samad über die arabische Revolution

3. November 2014

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In seinem Vortrag ging Hamed Abdel-Samad intensiv und kenntnisreich den Fragen nach, welche Ursachen die Revolution in Ägypten hatte und wie der weitere Verlauf vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen – Wahlerfolg der Islamisten und Einrichtung des Militärrates – aussehen könnte.




Hamed Abdel-Samad berichtete in der Volkshochschule über die Revolution in Kairo

Der Blick des Referenten ging mehr als zwei Jahrhunderte zurück: Hätte man unmittelbar nach der Französischen Revolution eine Bewertung vorgenommen, wäre nicht von Parlament und Demokratie sondern von Blut und Chaos die Rede gewesen, resümierte Hamed Abdel-Samad. Ähnlich schwer falle nun eine Analyse der Umbrüche in Ägypten, sagte er bei seinem Vortrag in der Volkshochschule Osnabrück. Zum Jahrestag der Unruhen erwartet der Politikwissenschaftler und Schriftsteller nun eine "zweite Welle".

"Krieg oder Frieden - Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens", lautete der Titel des Vortrags von Abdel-Samad, der zu Beginn der Unruhen im Januar 2011 in Kairo war. Die Fragen, denen der 39-Jährige in der Volkshochschule nachging: Was waren die Ursachen für die Revolution? Und welchen Verlauf könnte diese vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen – Wahlerfolg der Islamisten und Einrichtung des Militärrates – nehmen? Das derzeitige Problem: Laut Abdel-Samad hat der Militärrat ein Szenario umgesetzt, das das Innenministerium einst für den plötzlichen Tod von Staatspräsident Mubarak entwickelt hat. Durch gezieltes Schüren von Chaos und Unruhen sollen die einfachen Menschen revolutionsmüde gemacht werden. Wenig überraschend ist für den Referenten zudem der Wahlerfolg der Islamisten. Denn die demokratischen Kräfte, die den Umbruch ausgelöst haben, würden noch nicht über feste Strukturen verfügen. Somit seien die "Zutaten" sowohl da für demokratische Veränderung wie auch für eine Zuspitzung bis hin zum Bürgerkrieg, analysierte Abdel-Samad. Seine Forderung: Der Westen müsse, anders als in der Vergangenheit, die Demokraten und nicht die Diktatoren unterstützen. Nun erwartet der Wissenschaftler für den 25. Januar als ersten Jahrestag der Revolution eine "zweite Welle", da die Menschen vom Militärrat enttäuscht seien.

Der Referent analysierte zudem den Grund für die Unruhen – und ging dabei gleich mehr als 500 Jahre zurück: Die Erfindung des Buchdrucks habe eine "Wissensrevolution" ausgelöst – allerdings nicht im arabischen Raum, weil dort die neue Technik lange Zeit verboten gewesen sei. Nun aber hätten Fotohandys, YouTube und Facebook das Wissensmonopol der Diktaturen untergraben. In 30 Jahren seien fünf US-Präsidenten gewählt bzw. abgewählt worden – und im selben Zeitraum habe in Ägypten nur Mubarak regiert. Genau diese Situation habe die junge Generation mehr und mehr hinterfragt: "Die schweigende Masse hat sich in eine kritische Masse verwandelt", fasste Abdel-Samad zusammen.

 

(Müller-Detert)


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