Forum Eine Welt für Umwelt und Entwicklung
C3W adé – Willkommen „Forum Eine Welt für Umwelt und Entwicklung“!
Wer regelmäßig die politischen Veranstaltungen der vhs besucht, wird es bemerkt haben: Das „Colloquium Dritte Welt, Umwelt und Entwicklung“ ist nicht mehr zu finden! Und das nach fast 45 Jahren!
Aber keine Angst, wir machen weiter und das auch in gewohnter Kooperation mit dem Aktionszentrum Dritte Welt (das sich demnächst ebenfalls umbenennen wird) und terre des hommes.
Wie kam es dazu? Wir hatten selbst schon längst gemerkt, dass der Ausdruck „Dritte Welt“ schon längst in die Jahre gekommen war und im politischen Diskurs nicht mehr verwendet wurde. Der Begriff stammte im Prinzip noch aus der 1970er Jahren und galt in der westlichen Welt als eine Sammelbezeichnung für oft von Armut geprägte und wenig entwickelte Länder – ursprünglich aus dem blockfreien Lager.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) schreibt dazu auf seiner Website: „Das Ende des Ost-West-Konflikts und die wirtschaftliche Transformation einiger Entwicklungsländer entzogen dem Begriff „Dritte Welt“ seine Bedeutung. Der seit den 1990er Jahren in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit benutzte Begriff der „Einen Welt“ wertet und kategorisiert nicht.
Das Konzept nimmt wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Belange aller Länder der Welt ernst und fordert Industrie- und Entwicklungsländer zur gemeinsamen Verantwortung für Entwicklung auf. Herausforderungen wie Migration, Klimaschutz und Konflikte müssen in der Einen Welt gemeinsam gelöst werden.“
Und Colloquium? Das war uns inzwischen einfach zu akademisch geworden.
Aber es dauerte eben seine Zeit, bis wir uns von der Tradition lösen konnten – schließlich hatte sich die Reihe, die seit ca. 45 Jahren durchgeführt wird, zu einer Art Marke entwickelt. Diese Marke lebt mit bewährten Inhalten weiter, allerdings nun unter dem neuen Namen „Forum Eine Welt für Umwelt und Entwicklung“.
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Wenn ihr wegseht, werden wir getötet.
Daniela Sepehri, Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln, spricht über die aktuelle Lage der Freiheitsbewegung in Iran. Ausgehend von ihrem noch unveröffentlichten Buch zeigt sie, wie Kämpfe für Menschenrechte im globalen Süden – etwa in Iran, Afghanistan oder Palästina – in Deutschland politisch und medial wahrgenommen, vereinfacht oder übergangen werden. Sepehri benennt Missstände in Politik und Berichterstattung, macht strukturelle Ungleichgewichte sichtbar und richtet zugleich den Blick auf die Kraft derjenigen, die weltweit für Freiheit und Würde kämpfen.
Dominanzstreben im Hinterhof - Was wollen die USA in Lateinamerika?
Im Januar dieses Jahres entführte das US-Militär den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro. Dessen Nachfolgerin Delcy Rodríguez kooperiert seitdem eng mit der US-Regierung unter Donald Trumps. Doch der Blick richtet sich auch auf die übrigen Länder des Kontinents. Worum geht es den USA? Welchen politischen Spielraum hat die venezolanische Regierung nun? Was bedeutet die US-Aggression für die Region? Und inwiefern steht die aktuelle US-Strategie, Lateinamerika als Hinterhof dominieren zu wollen, in der Tradition der außenpolitischen Monroe-Doktrin? Um diese und weitere Fragen geht es in dem Vortrag mit anschließender Diskussion.
Tobias Lambert ist Autor und Journalist. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Lateinamerika. 2024 erschien sein Buch „Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez“. Im August 2026 folgt im Mandelbaum Verlag „Zurück in den Hinterhof. Die USA und Lateinamerika“.
Das Ende der Apartheid und die aktuellen Herausforderungen Südafrikas
Südafrika gilt seit dem Ende der Apartheid als Symbol für demokratischen Wandel und gesellschaftliche Versöhnung. Doch mehr als drei Jahrzehnte nach dem historischen Umbruch steht das Land weiterhin vor großen Herausforderungen: Gewaltkriminalität, Jugendarbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt prägen den Alltag vieler Menschen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Frage, was vom politischen Aufbruch nach 1994 geblieben ist, sowie die aktuellen Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen Anfang November. Dabei wird auch die Rolle von Präsident Cyril Ramaphosa beleuchtet, der einerseits als Reformer auftrat, andererseits aber selbst unter Korruptionsverdacht steht.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, Südafrikas Weg seit dem Ende der Apartheid neu zu betrachten – zwischen Hoffnung, Ernüchterung und der Frage, wie demokratische Erneuerung heute gelingen kann.
Brasilien nach den Wahlen
Die weltweit wahrgenommene gesellschaftliche Polarisierung prägt auch in Brasilien den Wahlkampf der im Oktober anstehenden Wahlen. Auf der einen Seite kämpft eine breite Allianz mit Lula um die Sicherung der fragilen Demokratie, die Umsetzung struktureller Reformen und die Vertiefung der gegen soziale Ungleichheit gerichteten Sozialpolitik. Auf der anderen Seite will die Familie Bolsonaro zurück an die Macht und wird dabei massiv von der aktuellen amerikanischen Regierung unterstützt. Beat Wehrle (Vorstand Programme bei Terre des Hommes) öffnet in seinem Vortrag ein Fenster zu einem vertieften Verständnis der vergangenen Wahlmonate und analysiert die Konsequenzen der Wahlresultate.
Zwischen Krise und Aufbruch: Die arabischen Golfstaaten in einer turbulenten Weltordnung
Die arabischen Golfstaaten durchlaufen einen fundamentalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel und werden in einer Region der Krisen und Konflikte mit massiven Herausforderungen konfrontiert. In seinem Vortrag legt Islamwissenschaftler Dr. Sebastian Sons dar, wie Staaten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Emirate auf diese dynamischen Entwicklungen reagieren, wie sie sich anpassen und was das für Deutschland und Europa bedeutet.
Kriegstüchtig an allen Fronten: Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau
Von der Zeitenwende bleibt kaum ein gesellschaftlicher Bereich verschont: Von einer auf Angriffsoperationen ausgerichteten Bundeswehr über die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Einführung eines neuen Wehrdienstes bis hin zur systematischen Einbeziehung ziviler Akteure in Kriegsvorbereitungen via "Operationsplan Deutschland".
Obwohl selbst die europäischen NATO-Staaten Russland bereits heute deutlich überlegen sind, sollen die Militärausgaben noch einmal drastisch erhöht werden. Der Hintergrund: Im EU-Verbund will sich Deutschland als militärische Führungsmacht gegenüber Russland, China und zunehmend auch den USA in Stellung bringen.
Für den Übergang zur mit einer "Turbo-Zeitenwende" mit ihren historischen Erhöhungen der Rüstungsausgaben erteilte eine Zweidrittelmehrheit eines bereits abgewählten Bundestags per Grundgesetzänderung einen Blankoscheck. Weil es kein "olivgrünes Wirtschaftswunder" geben wird, soll dies erst durch Schulden, dann aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Die Folge: Drastische Sozialkürzungen, für die mit einer "Kanonen statt Butter"-Rhetorik der Stimmungsteppich ausgebreitet wird. Die Turbo-Zeitenwende entwickelt sich damit zu einer ernsthaften Bedrohung des ohnehin bereits schwer angeschlagenen gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Jürgen Wagner ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.