Politik | Gesellschaft
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Ost-West-Club
Der Ost-West-Club ist ein Treffpunkt für russischsprachige Neubürger:innen. Informationsveranstaltungen zu gesellschaftspolitischen Fragen und andere Aktivitäten zur kulturellen und sozialen Integration sind Aufgaben des Clubs. Wünsche und Anregungen zur Programmgestaltung sind willkommen.
Philosophische Erkenntnisse, die das Leben leichter machen
Seit der griechisch-römischen Antike gab es zu allen Zeiten in den verschiedenen Disziplinen der Philosophie Erkenntnisse, die uns auch heute noch das Leben erleichtern können. Das gilt sicher nicht gleichermaßen für jeden Leser und auch nicht für jede Erkenntnis. Es lohnt sich aber, darüber gemeinsam zu philosophieren. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Ich freue mich auf Sie.
Gesprächskreis aktuelle Politik
Nie zuvor gab es so zahlreiche Möglichkeiten, sich über aktuelle politische Themen zu informieren. Aber wie sollen wir mit der Masse an Nachrichten und Meinungen umgehen? Wie können wir den von unterschiedlichen Interessen gelenkten gesellschaftlichen Diskurs einordnen und bewerten? Was ist wirklich, was ist wahr? Wie schützen wir uns davor, in der Blase dauernder Selbstbestätigung eigener Ansichten festzusitzen?
Ein Weg ist das freie und direkte Gespräch. Internet und KI bleiben außen vor. Im wertschätzenden Austausch mit anderen Interessierten wollen wir politische Themen ergebnisoffen beschreiben und erörtern. Was sind die Hintergründe? Welche unterschiedlichen Standpunkte, Meinungen und Lösungsideen gibt es dazu? Wie überzeugend sind sie?
Je nach den aktuellen politischen Ereignissen bestimmen wir die Themen zu Beginn des Gesprächskreises.
Wohnungslosigkeit in Osnabrück. Eine alternative Stadtführung
Obdachlosigkeit ist gerade im Winter für Betroffene extrem hart und auch gefährlich. Wie das Leben auf der Straße tatsächlich aussieht, wollen wir im Rahmen dieser alternativen Stadtführung erfahrbar machen. Wo kann man sich geschützt aufhalten, wenn es kalt und nass wird? Welchen Gefahren ist man ausgesetzt? Welche Hilfsangebote gibt es? Warme und regenfeste Kleidung ist empfohlen.
KI-Fake oder echt? Wie wir gefälschte Inhalte erkennen
Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich komplexe Texte, Bilder und Videos erstellen sowie Stimmen klonen – schneller und überzeugender als je zuvor. Doch was bedeuten diese Entwicklungen für die demokratische Gesellschaft und wie können wir damit umgehen? Wir werfen einen Blick darauf, wie KI-generierte Inhalte entstehen, wie wir sie erkennen und wo die Grenze zwischen nützlichem Werkzeug und Manipulationsmaschine liegt. Mit konkreten Alltagsbeispielen und Raum für eigene Fragen. Isabel Lerch arbeitet als Datenjournalistin und KI-Lotsin beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Als Trainerin gibt sie ihr Wissen in den Bereichen journalistische Recherche, Datenjournalismus, Datenvisualisierung und KI weiter.
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Isabel Lerch
„Die Synagoge brennt. Wollt ihr mit?“ Die Pogromnacht 1938
Auf dem Marktplatz versammelten sich in der Nacht des 9. November 1938 SA-Männer in „Räuberzivil”, um die Synagoge in der Rolandstraße in Brand zu setzen. Ein „aufgeputschter Mob” verfolgte jüdische Familien, die aus ihren Wohnungen im benachbarten Schulgebäude vor den Flammen flohen.
Die Führung folgt den Spuren der Opfer und Täter und den Zuschauern der Pogromnacht. Sie zeigt Orte, wo man jüdische Männer mitten in der Nacht im Schlafanzug gewaltsam aus den Häusern holte und in die Zellen der Gestapo im Schlosskeller einsperrte. Am nächsten Tag wurden die Geschäfte jüdischer Kaufleute geplündert und verwüstet und die Männer – ebenfalls vor aller Augen – in Konzentrationslager abtransportiert.
Das Ende der Apartheid und die aktuellen Herausforderungen Südafrikas
Südafrika gilt seit dem Ende der Apartheid als Symbol für demokratischen Wandel und gesellschaftliche Versöhnung. Doch mehr als drei Jahrzehnte nach dem historischen Umbruch steht das Land weiterhin vor großen Herausforderungen: Gewaltkriminalität, Jugendarbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt prägen den Alltag vieler Menschen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Frage, was vom politischen Aufbruch nach 1994 geblieben ist, sowie die aktuellen Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen Anfang November. Dabei wird auch die Rolle von Präsident Cyril Ramaphosa beleuchtet, der einerseits als Reformer auftrat, andererseits aber selbst unter Korruptionsverdacht steht.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, Südafrikas Weg seit dem Ende der Apartheid neu zu betrachten – zwischen Hoffnung, Ernüchterung und der Frage, wie demokratische Erneuerung heute gelingen kann.
Auf den Spuren von NS-Tätern in Osnabrück
Der ILEX-Kreis, eine Gruppe von unabhängigen GeschichtsforscherInnen aus Osnabrück und Umgebung, hat jahrelang nach Personen recherchiert, die sich in Osnabrück dem NS-Regime widersetzten. Nach der Präsentation der Ergebnisse im Buch „Widerstand im Osnabrück der NS-Zeit“ wechselte der Kreis die Perspektive und beschäftigt sich In der Serie „Täter-Hetzer-Profiteure“ der „Osnabrücker Rundschau" mit Akteuren, die den NS-Terror vor Ort organisierten, unterstützten oder finanziell davon profitierten. Die Ergebnisse werden wieder in einer Ausstellung von Manfred Blieffert künstlerisch umgesetzt, die am 25. Oktober 2026 in der Gedenkstätte Augustaschacht eröffnet wird. Der Ilex-Kreis bietet begleitend eine Stadtführung zu seinen Forschungen an, bei der man u.a. erfährt, welche prominenten Nationalsozialisten Osnabrück besuchten, wo die SA in Osnabrück ihr Stammlokal hatte, wo die Gestapo ihre Gefangenen misshandelte und was im „Braunen Haus“ geschah.
Anne Franks Freundin Nanette Blitz und Camilla Spira: Zwei jüdische Schicksale und der „Rassereferent“ Hans Calmeyer
Was verbindet Nanette Blitz, eine Schulfreundin von Anne Frank, mit der Schauspielerin Camilla Spira? Beide wurden von den Nazis als Jüdinnen verfolgt. Um sich zu retten, wandten sich beide Familien an Hans Calmeyer, der in der Nazi-Besatzungsverwaltung in Den Haag über „rassische Zweifelsfälle“ entschied. Er änderte in mehr als zwei Dritteln der Fälle die Registrierung von jüdisch auf „arisch“ und rettete so mindestens 3.000 Menschen. Im Fall Spira entschied er positiv, im Fall Blitz negativ. Warum dieser Unterschied? Wie überlebte Nanette Blitz dann doch und wie starteten beide Familien nach dem Krieg wieder neu?
Die Anne-Frank-Biografin Melissa Müller (die auch über Nanette Blitz ein Buch veröffentlichte) und Calmeyer-Biograf Mathias Middelberg stellen die Lebenswege vor und kommen mit Beatrice Loeb, Enkelin von Camilla Spira, ins Gespräch.
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Melissa Müller , Dr. Mathias Middelberg
Brasilien nach den Wahlen
Die weltweit wahrgenommene gesellschaftliche Polarisierung prägt auch in Brasilien den Wahlkampf der im Oktober anstehenden Wahlen. Auf der einen Seite kämpft eine breite Allianz mit Lula um die Sicherung der fragilen Demokratie, die Umsetzung struktureller Reformen und die Vertiefung der gegen soziale Ungleichheit gerichteten Sozialpolitik. Auf der anderen Seite will die Familie Bolsonaro zurück an die Macht und wird dabei massiv von der aktuellen amerikanischen Regierung unterstützt. Beat Wehrle (Vorstand Programme bei Terre des Hommes) öffnet in seinem Vortrag ein Fenster zu einem vertieften Verständnis der vergangenen Wahlmonate und analysiert die Konsequenzen der Wahlresultate.
Algorithmen und Demokratie – wie prägen Social Media und KI die Politik?
Soziale Medien und Künstliche Intelligenz prägen zunehmend, wie Politik gemacht, vermittelt und wahrgenommen wird. Wieviel Macht haben Algorithmen über uns und wie prägen sie, welche Informationen wir bekommen? Dieses Seminar bietet eine kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken digitaler Technologien im politischen Raum. Durch praktische Übungen mit KI-Tools und Analysen realer Social-Media-Beispiele erkunden und reflektieren wir Einflussnahmen und Manipulationsstrategien politischer und wirtschaftlicher Akteure. Gemeinsam werden Handlungsmöglichkeiten gegen Populismus und digitale Beeinflussung entwickelt – für einen selbstbewussten Umgang mit KI und sozialen Medien in einer demokratischen Gesellschaft.
Die Gesellschaft in der Klimakrise
Wir erleben derzeit eine Zuspitzung der Krisen unserer Welt: Kriege rücken näher, Extremismus gewinnt an Stärke und die Klimakrise spitzt sich weiter zu. Doch wie hängen diese Entwicklungen miteinander zusammen? Ist die Klimakrise eine Folge der gesellschaftlichen Krisen – oder liegt in ihr vielleicht sogar ein Ursprung unserer gegenwärtigen Konflikte?
In diesem Vortrag werden wir uns diesen Fragen aus psychoanalytischer Perspektive nähern. Dabei geht es um die Gefühle, die die Krisen unserer Zeit in uns auslösen: Ärger, Traurigkeit, Scham, Angst und Wut. Was geschieht mit uns, wenn wir mit einer Welt konfrontiert sind, die zunehmend von Unsicherheit und Bedrohung geprägt ist? Und wie können diese individuellen Gefühle mit den immer extremer werdenden Bewegungen und Konflikten in unserer Gesellschaft zusammenhängen? Dieses Verständnis der Dynamiken in der Gesellschaft lässt uns anschließend ableiten, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, ihnen entgegenzuwirken.
Mit Anne Frank im Hinterhaus - Auf den Spuren der Osnabrücker Familie van Pels
Eine Führung mit Martina Sellmeyer zu den Lebensstationen der jüdischen Familie van Pels in Osnabrück. Hermann, Auguste und Peter van Pels versteckten sich zusammen mit der Familie von Anne Frank im Hinterhaus an der Prinsengracht 263. Anne erwähnt Peter van Pels in ihrem Tagebuch, gab ihm aber das Pseudonym Peter van Daan. Das Theater Osnabrück erinnert jetzt mit einer Auftragsoper an Peter van Pels (Premiere am 19.09.). Die Führung folgt den Osnabrücker Spuren der ursprünglich aus den Niederlanden stammenden Familie. Sie beginnt dort, wo Peters Großvater Aäron van Pels mit seiner achtköpfigen Familie ab 1915 lebte und führt über den Ort der ehemaligen „Israelitischen Elementarschule“ im Katharinenviertel, die Peter bis zur Flucht der Familie nach Amsterdam 1937 besuchte, zur letzten Wohnung der Familie an der Martinistraße.
Kriegstüchtig an allen Fronten: Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau
Von der Zeitenwende bleibt kaum ein gesellschaftlicher Bereich verschont: Von einer auf Angriffsoperationen ausgerichteten Bundeswehr über die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Einführung eines neuen Wehrdienstes bis hin zur systematischen Einbeziehung ziviler Akteure in Kriegsvorbereitungen via "Operationsplan Deutschland".
Obwohl selbst die europäischen NATO-Staaten Russland bereits heute deutlich überlegen sind, sollen die Militärausgaben noch einmal drastisch erhöht werden. Der Hintergrund: Im EU-Verbund will sich Deutschland als militärische Führungsmacht gegenüber Russland, China und zunehmend auch den USA in Stellung bringen.
Für den Übergang zur mit einer "Turbo-Zeitenwende" mit ihren historischen Erhöhungen der Rüstungsausgaben erteilte eine Zweidrittelmehrheit eines bereits abgewählten Bundestags per Grundgesetzänderung einen Blankoscheck. Weil es kein "olivgrünes Wirtschaftswunder" geben wird, soll dies erst durch Schulden, dann aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Die Folge: Drastische Sozialkürzungen, für die mit einer "Kanonen statt Butter"-Rhetorik der Stimmungsteppich ausgebreitet wird. Die Turbo-Zeitenwende entwickelt sich damit zu einer ernsthaften Bedrohung des ohnehin bereits schwer angeschlagenen gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Jürgen Wagner ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.
Meine Blase, deine Blase – wer und was beeinflusst, welche Infos mir begegnen?
TikTok zeigt mir extreme Meinungen, Instagram fragwürdige Schönheitsideale und YouTube empfiehlt mir das nächste Video über Kryptowährungen – alles bestimmt durch einen Algorithmus. Denn Algorithmen entscheiden längst mit darüber, welche Informationen wir erhalten, welche Perspektiven wir sehen und welche uns verborgen bleiben. So entstehen häufig Informationsblasen. Wie genau funktionieren diese personalisierten Kanäle („Feeds”) und welche Rolle spielt dabei, wer sie „füttert”? Denn ob Nahostkrieg, Klimadebatte oder politische Extrempositionen: Es sind immer häufiger Influencer:innen, die Themen setzen und Meinungen verbreiten, platziert zwischen werbefinanziertem Beautytalk und Proteinrezepten. Was unterscheidet diese Form der Informationsarbeit von der Arbeit von Journalist:innen – und haben die auch etwas gemeinsam?
Kathrin Drehkopf ist seit vielen Jahren Mitglied der NDR-Medienredaktion "ZAPP", sie beschäftigt sich mit journalistischen Standards und ist selbst Host und Redakteurin für Social Media Inhalte.
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Kathrin Drehkopf
Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“ aus der Perspektive der Gegenwart
Simone de Beauvoir (1908 – 1986) analysiert präzise, was es bedeutet eine Frau in unserer Gesellschaft zu sein. Wir werden anhand von Textauszügen aus Beauvoirs Hauptwerk „Das andere Geschlecht“ diskutieren, wieso ihre Philosophie im Diskurs der gegenwärtigen Diskussion um das Geschlechterverhältnis und Fragen der Ethik und Gerechtigkeit immer noch aktuell ist. Dabei sollen historische und aktuelle Entwicklungen analysiert und Herausforderungen weitergedacht werden.
Nach einem Impulsvortrag werden wir uns in Dialogphasen über Erfahrungen austauschen und Strukturen in unserer Gesellschaft hinterfragen.
Im Seminar werden Textauszüge zur Verfügung gestellt. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Dr. Diana Häs ist promovierte Philosophin und Erziehungswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung.
"Unser Schmerz ist unsere Kraft" - Neonazis haben unsere Väter ermordet
Gamze und Semiya waren Jugendliche, als ihre Väter von der rechtsextremen Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund«, kurz NSU, ermordet werden. Die Morde reißen sie aus ihrem bisherigen Leben, und die Vorverurteilung der deutschen Polizei und das Desinteresse der Öffentlichkeit treffen sie mit voller Wucht. Erst Jahre später fliegt die Terrorzelle auf.
In „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ erzählen sie, unterstützt durch die Co-Autorin Christine Werner, wie sie die erschütternden Geschehnisse damals erlebt haben. Aber auch, wie sie miteinander eine ungeheure Kraft entwickeln konnten, die sie bis heute weiterkämpfen lässt: gegen das Vergessen und für eine Zukunft ohne Ausgrenzung. Gamze Kubaşik liest mit Christine Werner aus dem Buch und spricht über die Folgen des Mords und die Lücken in der Aufarbeitung. Eine Erzählung über Schmerz, Kraft und den Kampf gegen Ausgrenzung. Ein Plädoyer, wach zu bleiben – in diesem Land, in diesen Zeiten.
Zwischen Krise und Aufbruch: Die arabischen Golfstaaten in einer turbulenten Weltordnung
Die arabischen Golfstaaten durchlaufen einen fundamentalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel und werden in einer Region der Krisen und Konflikte mit massiven Herausforderungen konfrontiert. In seinem Vortrag legt Islamwissenschaftler Dr. Sebastian Sons dar, wie Staaten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Emirate auf diese dynamischen Entwicklungen reagieren, wie sie sich anpassen und was das für Deutschland und Europa bedeutet.
Die Rolle der Osnabrücker Stadtverwaltung in der NS-Zeit
Die von Dr. Erich Gaertner geführte Stadtverwaltung war Teil der Verfolgungsstrukturen des NS-Staates. Sie gab die gelben „Judensterne“ aus, trug die Zwangsvornamen „Sara“ und „Israel“ in die Geburtsurkunden ein und sammelte Schmuck und Wertgegenstände der jüdischen Familien ein. Mitarbeiter wurden vom Oberbügermeister entlassen oder strafversetzt, weil sie mit einer jüdischen Frau verheiratet waren. Die Stadtverwaltung war nicht nur einer der beteiligten Akteure, sondern auch mit Abstand der größte Profiteur der „Arisierungen“, die zwei Todesopfer forderten. Gaertner ordnete persönlich den Abriss der Synagoge an und bereitete einen riesigen Aufmarschplatz für Propagandaveranstaltungen der Partei vor. Städtische Mitarbeiter begleiteten Deportationen, Bürgermeister Windgassen war beim Mord an Osnabrücker jüdischen Familien in Riga vor Ort.
„Mitläufer“, „Aktivisten“ und „Übernazis“: Der Ablauf der „Entnazifizierungsverfahren“ in Osnabrück ab 1946
Sie hätten „nichts geahnt, noch viel weniger gewusst“, an „die Redlichkeit dieser Rattenfänger“ geglaubt und seien „später schmählich enttäuscht“ worden – mit solchen Ausreden entschuldigten sich NSDAP-Mitglieder gegenüber dem Entnazifizierungsausschuss. Die von Martina Sellmeyer gesichteten Osnabrücker Entnazifizierungsakten verraten, wer von den Osnabrückern für einen „Übernazi“ und wer nur für einen „Verführten“ gehalten wurde. Darunter sind auch bekannte Persönlichkeiten wie der Oberbürgermeister und der Kreisleiter, Hotelier Eduard Petersilie oder Seifenfabrikant Fritz Frömbling. Dem von Osnabrückern befürchteten „Damoklesschwert“ der Entnazifizierung fehlte es an Schärfe. Selbst für Deportationen verantwortliche Gestapobeamte wurden lediglich als „Mitläufer“ eingestuft, ein SS-Obersturmbannführer noch posthum „entnazifiziert“. Auch wenn der Wahrheitsgehalt der „Persilscheine“ oft fragwürdig ist, ist interessant, wer in Osnabrück wen entlastete. Besonders eifrig war dabei der Bischof der Stadt.