Politik und Gesellschaft weltweit
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Wenn ihr wegseht, werden wir getötet.
Daniela Sepehri, Menschenrechtsaktivistin mit iranischen Wurzeln, spricht über die aktuelle Lage der Freiheitsbewegung im Iran. Ausgehend von ihrem noch unveröffentlichten Buch zeigt sie, wie Kämpfe für Menschenrechte im globalen Süden – etwa in Iran, Afghanistan oder Palästina – in Deutschland politisch und medial wahrgenommen, vereinfacht oder übergangen werden. Sepehri benennt Missstände in Politik und Berichterstattung, macht strukturelle Ungleichgewichte sichtbar und richtet zugleich den Blick auf die Kraft derjenigen, die weltweit für Freiheit und Würde kämpfen.
Das System Netanjahu
Benjamin Netanjahu wird von den einen glühend verehrt und unverbrüchlich unterstützt, von den anderen gehasst oder gefürchtet. Spätestens seit der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen ihn ausgestellt hat, ist seine kontroverse Position auf der Weltbühne unübersehbar. Aber wer ist dieser Mann, wo kommt er her, was treibt ihn an, und wie hat er sein Netzwerk aus Verbündeten aufgebaut? Diesen Fragen geht Joseph Croitoru entlang wichtiger Stationen von Netanjahus politischem Aufstieg nach und greift dabei erstmals auf neu entdeckte Unterlagen und Briefe zurück.
Dr. Joseph Croitoru ist freier Journalist und Historiker. Er schreibt seit 1992 für die deutschsprachige Presse und den Rundfunk mit dem Schwerpunkt Nahost.
Seine Bücher beschäftigen sich neben dem Nahostkonflikt mit jüdischer und islamischer Geschichte sowie religiösem Fundamentalismus. 2025 erschienen von ihm „Die Hisbollah“ und „Das System Netanjahu“.
2021 wurde er mit dem Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung ausgezeichnet.
Dominanzstreben im Hinterhof - Was wollen die USA in Lateinamerika?
Im Januar dieses Jahres entführte das US-Militär den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro. Dessen Nachfolgerin Delcy Rodríguez kooperiert seitdem eng mit der US-Regierung unter Donald Trumps. Doch der Blick richtet sich auch auf die übrigen Länder des Kontinents. Worum geht es den USA? Welchen politischen Spielraum hat die venezolanische Regierung nun? Was bedeutet die US-Aggression für die Region? Und inwiefern steht die aktuelle US-Strategie, Lateinamerika als Hinterhof dominieren zu wollen, in der Tradition der außenpolitischen Monroe-Doktrin? Um diese und weitere Fragen geht es in dem Vortrag mit anschließender Diskussion.
Tobias Lambert ist Autor und Journalist. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Lateinamerika. 2024 erschien sein Buch „Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez“. Im August 2026 folgt im Mandelbaum Verlag „Zurück in den Hinterhof. Die USA und Lateinamerika“.
Gesprächskreis aktuelle Politik
Nie zuvor gab es so zahlreiche Möglichkeiten, sich über aktuelle politische Themen zu informieren. Aber wie sollen wir mit der Masse an Nachrichten und Meinungen umgehen? Wie können wir den von unterschiedlichen Interessen gelenkten gesellschaftlichen Diskurs einordnen und bewerten? Was ist wirklich, was ist wahr? Wie schützen wir uns davor, in der Blase dauernder Selbstbestätigung eigener Ansichten festzusitzen?
Ein Weg ist das freie und direkte Gespräch. Internet und KI bleiben außen vor. Im wertschätzenden Austausch mit anderen Interessierten wollen wir politische Themen ergebnisoffen beschreiben und erörtern. Was sind die Hintergründe? Welche unterschiedlichen Standpunkte, Meinungen und Lösungsideen gibt es dazu? Wie überzeugend sind sie?
Je nach den aktuellen politischen Ereignissen bestimmen wir die Themen zu Beginn des Gesprächskreises.
„Frei zu sein in unserem Land“ – Entstehungsgeschichte des Staates Israel
Der terroristische Angriff der Hamas auf den Staat Israel wirft die Frage nach der Entstehung des Konflikts zwischen Juden und Arabern auf. Handelt es sich um einen Jahrtausende alten Konflikt oder eine Entwicklung, die sich erst in der Neuzeit vollzogen hat? Eine Antwort auf diese Frage zeigt, dass Juden und Nichtjuden seit altersher in Palästina nebeneinander gelebt leben, und zwar zumeist friedlich. Erst der Zerfall des Osmanischen Reiches, koloniale Ambitionen der europäischen Großmächte, die Entstehung des Zionismus als national-jüdische Bewegung, die Verfolgung der Juden durch Hitler-Deutschland, die Einwanderung von Juden nach Palästina, der Widerstand von palästinensischer Seite sowie die Herausbildung einer palästinensischen nationalen Identität haben den Nahostkonflikt zu dem verheerenden Konflikt gemacht, als der er uns in der Gegenwart begegnet. Der Vortrag will die komplexe Geschichte des Konflikts aufzeigen und auf diese Weise ein eigenständiges Urteil über den Konflikt zwischen dem jüdischen Staat und den Palästinensern erleichtern.
Das Ende der Apartheid und die aktuellen Herausforderungen Südafrikas
Südafrika gilt seit dem Ende der Apartheid als Symbol für demokratischen Wandel und gesellschaftliche Versöhnung. Doch mehr als drei Jahrzehnte nach dem historischen Umbruch steht das Land weiterhin vor großen Herausforderungen: Gewaltkriminalität, Jugendarbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt prägen den Alltag vieler Menschen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Frage, was vom politischen Aufbruch nach 1994 geblieben ist, sowie die aktuellen Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen Anfang November. Dabei wird auch die Rolle von Präsident Cyril Ramaphosa beleuchtet, der einerseits als Reformer auftrat, andererseits aber selbst unter Korruptionsverdacht steht.
Die Veranstaltung lädt dazu ein, Südafrikas Weg seit dem Ende der Apartheid neu zu betrachten – zwischen Hoffnung, Ernüchterung und der Frage, wie demokratische Erneuerung heute gelingen kann.
Brasilien nach den Wahlen
Die weltweit wahrgenommene gesellschaftliche Polarisierung prägt auch in Brasilien den Wahlkampf der im Oktober anstehenden Wahlen. Auf der einen Seite kämpft eine breite Allianz mit Lula um die Sicherung der fragilen Demokratie, die Umsetzung struktureller Reformen und die Vertiefung der gegen soziale Ungleichheit gerichteten Sozialpolitik. Auf der anderen Seite will die Familie Bolsonaro zurück an die Macht und wird dabei massiv von der aktuellen amerikanischen Regierung unterstützt. Beat Wehrle (Vorstand Programme bei Terre des Hommes) öffnet in seinem Vortrag ein Fenster zu einem vertieften Verständnis der vergangenen Wahlmonate und analysiert die Konsequenzen der Wahlresultate.
Zwischen Krise und Aufbruch: Die arabischen Golfstaaten in einer turbulenten Weltordnung
Die arabischen Golfstaaten durchlaufen einen fundamentalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel und werden in einer Region der Krisen und Konflikte mit massiven Herausforderungen konfrontiert. In seinem Vortrag legt Islamwissenschaftler Dr. Sebastian Sons dar, wie Staaten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Emirate auf diese dynamischen Entwicklungen reagieren, wie sie sich anpassen und was das für Deutschland und Europa bedeutet.
Kriegstüchtig an allen Fronten: Kanonen statt Butter – Rüstung durch Sozialabbau
Von der Zeitenwende bleibt kaum ein gesellschaftlicher Bereich verschont: Von einer auf Angriffsoperationen ausgerichteten Bundeswehr über die Umstellung auf Kriegswirtschaft und die Einführung eines neuen Wehrdienstes bis hin zur systematischen Einbeziehung ziviler Akteure in Kriegsvorbereitungen via "Operationsplan Deutschland".
Obwohl selbst die europäischen NATO-Staaten Russland bereits heute deutlich überlegen sind, sollen die Militärausgaben noch einmal drastisch erhöht werden. Der Hintergrund: Im EU-Verbund will sich Deutschland als militärische Führungsmacht gegenüber Russland, China und zunehmend auch den USA in Stellung bringen.
Für den Übergang zur mit einer "Turbo-Zeitenwende" mit ihren historischen Erhöhungen der Rüstungsausgaben erteilte eine Zweidrittelmehrheit eines bereits abgewählten Bundestags per Grundgesetzänderung einen Blankoscheck. Weil es kein "olivgrünes Wirtschaftswunder" geben wird, soll dies erst durch Schulden, dann aus dem laufenden Haushalt finanziert werden. Die Folge: Drastische Sozialkürzungen, für die mit einer "Kanonen statt Butter"-Rhetorik der Stimmungsteppich ausgebreitet wird. Die Turbo-Zeitenwende entwickelt sich damit zu einer ernsthaften Bedrohung des ohnehin bereits schwer angeschlagenen gesellschaftlichen Zusammenhalts.
Jürgen Wagner ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) e.V.