Geld als Waffe – Wie Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet
Ihr neues Buch trägt den Titel „Geld als Waffe“. Wie kann Geld zur Waffe werden? Jede Waffe kostet Geld. Das macht das Geld zur Waffe aller Waffen.
In Ihrem Buch stellen Sie dar, dass Russland und China Krieg und Kriegsgebärden nutzen, um von der desolaten Wirtschaft abzulenken. Sprechen wir erst nur von Russland. Ist ein Frieden unter Putin denkbar? Nein. Putin wird Krieg führen oder Krieg androhen, solange er an der Macht ist. Durch den Angriff auf die Ukraine ist Russland zu einer Kriegswirtschaft geworden, sodass echter Frieden für Putin jetzt sehr gefährlich wäre. Denn dann wären Millionen von Menschen arbeitslos - die Soldaten und die Beschäftigten in der Rüstungsindustrie. Dieses Chaos würde Putins Regime wahrscheinlich nicht überleben. Also wird er weiter Krieg führen.
„Putin wird Krieg führen oder Krieg androhen, solange er an der Macht ist.“
Kann die chinesische Wirtschaft noch reformiert werden, sodass es zu mehr Wachstum kommt und ein Angriff auf Taiwan nicht nötig ist, um die Herrschaft der Kommunisten zu legitimieren? Momentan wird in China viel zu viel investiert. In Straßen, Schienen, Staudämme oder Autofabriken. In dieser Menge braucht das niemand. Viel nötiger wären eine vernünftige Gesundheitsversorgung und ein stabiles Rentensystem. Das weiß Staatschef Xi Jinping auch. Sein Problem: Wenn man die Investitionen zurückfährt und stattdessen die Renten verbessert, würden viele Bauarbeiter arbeitslos. Das würde Proteste auslösen und das Regime gefährden. Also investiert man ungebremst in überflüssige Projekte, was die Krise weiter verschärft. Die offiziellen Wachstumszahlen von fünf Prozent sind glatt gelogen, und ein Angriff auf Taiwan wird immer wahrscheinlicher.
Wie muss eine Wirtschaft gestaltet werden, um Frieden zu fördern? Was kann von Taiwan dabei gelernt werden? Taiwan hat das Glück, dass es eine natürliche Festung ist. Es ist sehr schwer, diese Insel einzunehmen, weil das Zentralmassiv auf bis zu 4.000 Meter ansteigt und im Osten steil abfällt. Zudem haben die Taiwaner auf ökonomische Abschreckung gesetzt: Sie stellen die weltweit modernsten Computerchips her. Der Westen und auch die asiatischen Nachbarn würden also nicht untätig bleiben, falls China Taiwan angreift.
„Die Wirtschaft kann nur florieren, wenn die Löhne hoch sind und nicht gespart wird.“
Müssen wir den Gürtel enger schnallen, mehr arbeiten und den Sozialstaat abbauen, um in einer neuen Weltordnung mitspielen zu können? Es ist genau andersherum: Die Wirtschaft kann nur florieren, wenn die Löhne hoch sind und nicht gespart wird. Sonst fehlt die Nachfrage, sodass sich die Produktion nicht lohnt und es zu einer Wirtschaftskrise kommt.
Wer sollte Ihren Vortrag an der vhs|os unbedingt hören? Ich würde mir wünschen, dass auch Menschen kommen, die sich als Pazifisten verstehen und Waffen eigentlich ablehnen. Die Pazifisten haben Recht, dass wir Frieden anstreben müssen. Aber es gibt nun einmal Diktatoren, die auf Krieg setzen. Auch aus ökonomischen Gründen. Frieden ist daher nur durch Abschreckung möglich.
„Die offiziellen Wachstumszahlen von fünf Prozent in China sind glatt gelogen.“
Was motiviert Sie sich dem Thema Wirtschaft, Ökonomik und Kapitalismus immer wieder zuzuwenden, auch wenn es unbequeme Themen sind, denen sich der Mainstream nur ungern zuwendet? Meine Erfahrung ist eine andere: Die meisten Menschen interessieren sich für Wirtschaft, weil sie genau wissen, wie wichtig die Ökonomie für ihr eigenes Leben ist. Aber oft sind die Wirtschaftstexte in den Zeitungen so technisch geschrieben, dass Laien sie nicht verstehen können. Ich versuche, ökonomische Fakten in den Alltag zu übersetzen – und die Resonanz ist enorm.
Welchen Kurs an einer vhs würden Sie besuchen oder haben Sie schon besucht? Ich bin mit dem Prinzip Volkshochschule aufgewachsen. Meine Mutter hat mehr als vierzig Jahre lang an der Volkshochschule Norderstedt Französisch unterrichtet, bis zu vier Mal in der Woche. Sie war sehr glücklich dort, und trifft sich, 89 Jahre alt, immer noch mit ihren ehemaligen Teilnehmer:innen. Was mich angeht: Mein erster Kurs war ein Schreibmaschinenkurs, von dem ich bis heute profitiere.
Hier geht es zum Vortrag mit Ulrike Herrmann:
Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet
Dienstag, 19.05.2026