Mensch und Gesellschaft
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Vom Alpha-Mann zum Neonazi - Antifeministische Online-Radikalisierung
Antifeminismus ist integraler Bestandteil von Rechtsextremismus - und gleichzeitig gesellschaftlich omnipräsent. Da die patriarchale Vorherrschaft nach wie vor auf der Ausbeutung und Abwertung von Frauen und queeren Menschen basiert, begreifen Ich-schwache Männer feministische Emanzipation als Angriff nicht nur auf ihre Herrschaft, sondern auf ihre konkrete Persönlichkeit. Diese gekränkte Männlichkeit wird momentan vor allem über das Internet aufgefangen und bestätigt. Antifeministische Influencer wie der wegen Menschenhandel angeklagte Andrew Tate und misogyne Hasskampagnen machen Frauenhass als kollektive Unterhaltung salonfähig. Rechtsradikale Parteien Gruppierungen verwenden gezielt antifeministische und queerfeinndliche Inhalte als Radikalisierungs- und Rekrutierungsinstrument. Sie stellen faschistische Männlichkeitsbilder als Heilsversprechen gegen die Kränkungen und Ohnmacht der Moderne dar: der Feminismus hat dich kastriert, wir machen dich wieder zum Mann!
Die neoliberale, auf Selbstoptimierung ausgelegte Vorstellung des "Alpha-Mannes" als charismatischer Anführer und "Entrepreneur" geht hierbei regelmäßig fließend in faschistische Männlichkeitsbilder über - nicht zufällig, sondern wegen zahlreicher ideologischer Überschneidungen.
Diese Geschlechterbilder verbleiben jedoch selten im Internet, denn dieses ist kein von den analogen Verhältnissen abgekoppelter Raum, sonderen deren Spiegel. Antifeministische Online-Radikalisierung mündet immer wieder in konkreter Gewalt, bis sogar hin zum rechtsextremen und Incel-Terrorismus.
In diesem Vortrag zeigt die Autorin Veronika Kracher auf, inwieweit Kapitalismus, Faschismus und Geschlecht ineinander verwoben sind, und welche Rolle soziale Medien bei der Verbreitung antifeministischer Inhalte spielen, und wieso diese Phänomene nicht als Einzelfälle betrachtet werden dürfen – sondern als systematisches Problem.
Altwerden - Lust oder Frust?
„Ich lasse mir doch von einer Jahreszahl nicht sagen, wie alt ich bin.“ (Dorte Landschutz)
Von vielen Altersforschern und Neurobiologen wird das Altwerden als eine Lebensphase mit ganz eigenen Möglichkeiten und Chancen angesehen. Da in diesen Zeiten Familien und Freundschaften oft örtlich auseinandergerissen sind und Einsamkeit eine der Hauptursachen für Erkrankungen im Alter ist, ist es umso wichtiger, die letzten beiden Lebensphasen aktiv und sinnvoll zu gestalten.
Dazu gehören in erster Linie die mentale Grundhaltung und zum anderen soziale, intellektuelle und kreative Impulse. Stressfaktoren und Entspannung, Ernährung und Medizin, Wahrnehmen und Erinnern und natürlich die berühmten fünf Ls: Lachen - Lieben – Lernen – Laufen – Lust sollen thematisiert werden.
Unter diesem Motto sind alle eingeladen, die...
• statt Einsamkeit und Rückzug Geselligkeit und Lebensfreude suchen
• nicht nur ihre Lebenszeit verlängern, sondern sinnvoll gestalten wollen
• nach neuen Impulsen für das Alter suchen
• die an einem Alters-Netzwerk interessiert sind
• selbst betroffen sind oder mit alten Menschen zu tun haben – ob privat oder beruflich
Es erwartet Sie ein Impulsvortrag mit anschließender Besprechung in Kleingruppen und im Plenum.
Die Ergebnisse werden im Folgeseminar 2027 aufgenommen und vertieft werden.
„Künstliche Intelligenz und Trauer – zwischen Unterstützung, Erinnerung und ethischer Verantwortung“
Der Verlust eines geliebten Menschen gehört zu den einschneidenden Erlebnissen im Leben. Der Trauerprozess ist dabei sehr individuell und lässt sich nicht über ein richtig oder falsch bewerten. Im Verlauf der Jahre haben sich zunehmend neue Trauerformate entwickelt. Dabei spielen beispielsweise diverse Formen von Trostkulturen oder auch wertorientierte Trauerbegleitung eine große Rolle.
Auch mit Blick auf die Künstliche Intelligenz gibt es Angebote in Form von sogenannten „Chatbots*“. Dies sind KI gesteuerte Dialogsysteme, mit denen menschenähnliche Gespräche geführt werden können – z.B. mit der Stimme der verstorbenen Person.
Die Veranstaltung widmet sich der Frage, wie Künstliche Intelligenz im Kontext von Trauer, Abschied und Erinnerung eingesetzt wird. Michael Brendel, Studienleiter für Digitalen Wandel und Theologie im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen, wird mit seiner KI-Expertise, insbesondere im pädagogischen Bereich, einen Einblick in die Welt der KI geben. Gemeinsam mit Kathrin Rosen, Koordinatorin und Trauerbegleiterin im Osnabrücker Hospiz, werden sie in einem offenen Dialog die unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen und einen reflektierten Austausch ermöglichen. Dabei werden sowohl praktische Anwendungsfelder als auch ethische, emotionale und gesellschaftliche Herausforderungen beleuchtet.
Angesprochen sind Fachkräfte aus Beratung, Pflege, Seelsorge, Bildung und Wissenschaft ebenso wie ehrenamtlich Tätige und alle Interessierten, die sich mit neuen Formen des Umgangs mit Verlust auseinandersetzen möchten.
*„Ein Chatbot ist ein automatisiertes Dialogsystem, das mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) und Verarbeitung natürlicher Sprache (NLP) menschenähnliche Gespräche per Text oder Sprache führt, um Benutzeranfragen zu beantworten, einfache Aufgaben auszuführen und Informationen bereitzustellen, oft rund um die Uhr in Messaging-Apps, auf Websites oder in Apps. Er simuliert menschliche Konversationen, um Effizienz im Kundenservice, Marketing und Vertrieb zu steigern, indem er wiederkehrende Fragen beantwortet und Kunden durch den Prozess führt“
The Queer History of Osnabrück
Dass hinter dem kleinen Wort „queer“ kein Trend, sondern eine jahrtausendealte Historie steckt, verdeutlicht Lars Linnhoff in seinem Stadtrundgang The Queer History of Osnabrück.
Zu Fuß geht es durch die Osnabrücker Innenstadt und zu bekannten Orten, die für die queere Geschichte eine zentrale Rolle spielen. Lars Linnhoff erzählt von den frühesten Spuren queeren Lebens und schlägt einen Bogen bis in die Gegenwart, spricht über Ausgrenzung, Initiativen und Sichtbarkeit. Locker, humorvoll und auf Augenhöhe. Ohne den erhobenen Zeigefinger geht es um einen Austausch, der sensibilisieren kann für queere Lebensformen und für aktuelle Probleme, Wünsche und Forderungen.
Lars Linnhoff ist Herausgeber des Stadtplans The queer history of Osnabrück und Host des gleichnamigen Instagramaccounts. Er bietet thematische Stadtrundgänge zur lokalen LGBTQ+-Geschichte an und begleitete Queer Walks für die Kunsthalle Osnabrück. Für das älteste queere Kulturfestival Deutschlands, Gay in May, organisiert er Veranstaltungen. Weitere Informationen zu Lars und seiner Arbeit erhalten Sie hier: larslinnhoff.de
Wohnungslosigkeit in Osnabrück. Eine alternative Stadtführung
Obdachlosigkeit ist gerade im Winter für Betroffene extrem hart und auch gefährlich. Wie das Leben auf der Straße tatsächlich aussieht, wollen wir im Rahmen dieser alternativen Stadtführung erfahrbar machen. Wo kann man sich geschützt aufhalten, wenn es kalt und nass wird? Welchen Gefahren ist man ausgesetzt? Welche Hilfsangebote gibt es? Warme und regenfeste Kleidung ist empfohlen.
Kämpfen für Deutschland? Die Wehrpflicht in der Diskussion
Diese Frage wird derzeit intensiv diskutiert und insbesondere Jungen und jungen Männern immer wieder gestellt. Seit dem Inkrafttreten des „Neuen Wehrdienstes“ im Januar dieses Jahres sind Erfassung und Musterung für junge Männer Pflicht. Der Wehrdienst selbst bleibt freiwillig, doch ist der Weg zur sogenannten „Bedarfswehrpflicht“ geebnet, falls die Rekrutierungsziele nicht erreicht werden können.
Was bedeutet der „Neue Wehrdienst“ für junge Menschen in Deutschland? Wer ist konkret betroffen – und wer fühlt sich nicht angesprochen? Welche Auswirkungen hat dies auf unser Demokratieverständnis? Junge Menschen, insbesondere junge Männer, stehen im Zentrum dieser Fragen und müssen als politische Akteur:innen ernst genommen werden. Gleichzeitig dürfen sie damit nicht allein gelassen werden.
Wir laden Sie herzlich ein mit Simon David Dressler (Demokratie-Influencer) zu diskutieren. Ein Vertreter des Bundeswehrverbands ist auch als Diskussionspartner angefragt.Wir freuen uns insbesondere auch, dass Schüler:innen des Gymnasiums „In der Wüste“ den Abend mit bereichern werden. Zusammen stellen wir uns die Frage: Ist die Pflicht zum Wehrdienst notwendig, überholt oder ungerecht?
KI-Fake oder echt? Wie wir gefälschte Inhalte erkennen
Mithilfe von Künstlicher Intelligenz lassen sich komplexe Texte, Bilder und Videos erstellen sowie Stimmen klonen – schneller und überzeugender als je zuvor. Doch was bedeuten diese Entwicklungen für die demokratische Gesellschaft und wie können wir damit umgehen? Wir werfen einen Blick darauf, wie KI-generierte Inhalte entstehen, wie wir sie erkennen und wo die Grenze zwischen nützlichem Werkzeug und Manipulationsmaschine liegt. Mit konkreten Alltagsbeispielen und Raum für eigene Fragen. Isabel Lerch arbeitet als Datenjournalistin und KI-Lotsin beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg. Als Trainerin gibt sie ihr Wissen in den Bereichen journalistische Recherche, Datenjournalismus, Datenvisualisierung und KI weiter.
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Isabel Lerch
Geteilte Geschichte, gemeinsame Zukunft. Deutsche Einheit im Gespräch
Was unterscheidet das Aufwachsen in einer Diktatur von dem in einer Demokratie? Was gehen wir der Frage nach, was junge Menschen damals geprägt hat und was sie heute beschäftigt, wo Erfahrungen vergleichbar und wo Unterschiede entscheidend sind. Die Veranstaltung lädt dazu ein, Generationen ins Gespräch zu bringen und über das Leben von jungen Menschen in Umbruchszeiten nachzudenken.
Die Gesellschaft in der Klimakrise
Wir erleben derzeit eine Zuspitzung der Krisen unserer Welt: Kriege rücken näher, Extremismus gewinnt an Stärke und die Klimakrise spitzt sich weiter zu. Doch wie hängen diese Entwicklungen miteinander zusammen? Ist die Klimakrise eine Folge der gesellschaftlichen Krisen – oder liegt in ihr vielleicht sogar ein Ursprung unserer gegenwärtigen Konflikte?
In diesem Vortrag werden wir uns diesen Fragen aus psychoanalytischer Perspektive nähern. Dabei geht es um die Gefühle, die die Krisen unserer Zeit in uns auslösen: Ärger, Traurigkeit, Scham, Angst und Wut. Was geschieht mit uns, wenn wir mit einer Welt konfrontiert sind, die zunehmend von Unsicherheit und Bedrohung geprägt ist? Und wie können diese individuellen Gefühle mit den immer extremer werdenden Bewegungen und Konflikten in unserer Gesellschaft zusammenhängen? Dieses Verständnis der Dynamiken in der Gesellschaft lässt uns anschließend ableiten, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben, ihnen entgegenzuwirken.
Meine Blase, deine Blase – wer und was beeinflusst, welche Infos mir begegnen?
TikTok zeigt mir extreme Meinungen, Instagram fragwürdige Schönheitsideale und YouTube empfiehlt mir das nächste Video über Kryptowährungen – alles bestimmt durch einen Algorithmus. Denn Algorithmen entscheiden längst mit darüber, welche Informationen wir erhalten, welche Perspektiven wir sehen und welche uns verborgen bleiben. So entstehen häufig Informationsblasen. Wie genau funktionieren diese personalisierten Kanäle („Feeds”) und welche Rolle spielt dabei, wer sie „füttert”? Denn ob Nahostkrieg, Klimadebatte oder politische Extrempositionen: Es sind immer häufiger Influencer:innen, die Themen setzen und Meinungen verbreiten, platziert zwischen werbefinanziertem Beautytalk und Proteinrezepten. Was unterscheidet diese Form der Informationsarbeit von der Arbeit von Journalist:innen – und haben die auch etwas gemeinsam?
Kathrin Drehkopf ist seit vielen Jahren Mitglied der NDR-Medienredaktion "ZAPP", sie beschäftigt sich mit journalistischen Standards und ist selbst Host und Redakteurin für Social Media Inhalte.
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Kathrin Drehkopf
"Unser Schmerz ist unsere Kraft" - Neonazis haben unsere Väter ermordet
Gamze und Semiya waren Jugendliche, als ihre Väter von der rechtsextremen Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund«, kurz NSU, ermordet werden. Die Morde reißen sie aus ihrem bisherigen Leben, und die Vorverurteilung der deutschen Polizei und das Desinteresse der Öffentlichkeit treffen sie mit voller Wucht. Erst Jahre später fliegt die Terrorzelle auf.
In „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ erzählen sie, unterstützt durch die Co-Autorin Christine Werner, wie sie die erschütternden Geschehnisse damals erlebt haben. Aber auch, wie sie miteinander eine ungeheure Kraft entwickeln konnten, die sie bis heute weiterkämpfen lässt: gegen das Vergessen und für eine Zukunft ohne Ausgrenzung. Gamze Kubaşik liest mit Christine Werner aus dem Buch und spricht über die Folgen des Mords und die Lücken in der Aufarbeitung. Eine Erzählung über Schmerz, Kraft und den Kampf gegen Ausgrenzung. Ein Plädoyer, wach zu bleiben – in diesem Land, in diesen Zeiten.